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STEFAN SCHWIETERT - THE WORKS

 
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A TICKLE IN THE HEART

1996 / EAN 4021308887427 / FSK o.A.

Regie: Stefan Schwietert
Drehbuch: Thomas Kufus, Stefan Schwietert
Kamera: Robert Richman
Schnitt: Arpad Bondy

Max, Willie und Julie Epstein waren und sind die Könige der Klezmermusik. Vor 60 Jahren begannen sie ihre Karriere als ,,The Epstein Brothers" in New York. Sie spielten auf den oft tagelang dauernden Festen der jüdischen Einwanderer. Ihre Musik kam wie ihr Publikum aus Osteuropa. Die Lieder konnten so ausgelassen und fröhlich sein wie sentimental und traurig. Auf den Feiern und Hochzeiten wurde getanzt, gesungen und geweint.
Heute leben die Epstein Brothers im amerikanischen Rentnerparadies Florida. Zusammen mit ihrem alten Publikum haben sie sich in das milde Klima von ,,God's Waiting Room" zurückgezogen.
Hier vergehen die Tage mit dem Putzen der Autos, jahrelangen Diskussionen über das Essen und nostalgischen Konzerten mit den Epstein Brothers. Denn mit der Assimilation der Juden an den ,,american way of life" war die Klezmermusik längst ausgestorben, nur hier hat sie wie auf einer Insel überlebt.
Vor ein paar Jahren aber begann das Revival der Klezmermusik und auch das Revival der Epstein Brothers. Die Könige der Klezmermusik kehrten zurück und diesmal eroberten sie auch die renommierten Konzertsäle in Europa und den USA. Und waren sie früher als ,,klezmorim" so angesehen wie Tagelöhner und Vagabunden, so werden sie jetzt als Künstler gefeiert. Ein später Erfolg, über den sich niemand mehr wundert als die Epstein Brothers selbst.


MEDIAQUTES
«A TICKLE IN THE HEART kann es bezüglich Unterhaltungswert mit jedem grossen Spielfilm aufnehmen ... ein Dokumentarfilm mit zweifellos europaweitem Kinopotential. Mit präzis ausgeleuchteten, kontrastintensiven Schwarzweissbildern folgt der Film drei betagten, schmerbäuchigen Brüdern, die in New York die Tradition der jüdischen Klezmermusik aus Osteuropa aufrechterhalten.» Neue Zürcher Zeitung

«NETZHAUT, HERZEN UND HIRN GEKITZELT. Die drei Brüder sind nicht nur herausragende Vertreter des mitreissenden jiddischen Jazz, sondern auch Erzähler und Darsteller, denen man stundenlang zuhören und -sehen könnte. Mit phänomenalen Bassstimmen berichten sie von ihrer polnischen Herkunft und ihrer Jugend in der New Yorker Lower East Side, köstlich sind sie als Entertainer auf der Bühne und als Reisetrio auf Tournee, die sinnigerweise gerade in den alten Osten führt. (...) Wunderschönes Schwarzweiss, voller, fülliger Ton und eine Montage, bei der sich Musik und Narration in subtilem Witz ergänzen.» Tages-Anzeiger

«Ein rundes, gelungenes und geradezu beglückendes Werk. Schwieterts Film besitzt die Ingredienzen grossen Kinos; formales Brio, Drive und Emotionen, womit er eben ein ,Kitzeln im Herzen' bewirkt.» ZOOM

«Wie das Echo aus einer anderen Welt.» Frankfurter Rundschau

«Ein Glücksfall... ein Kinoereignis!» Aargauer Tagbiatt

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ACCORDION TRIBE

2004 / EAN 7640118760279 / FSK o.A.

Regie: Stefan Schwietert
Drehbuch: Stefan Schwietert
Kamera: Wolfgang Lehner
Ton: Dieter Meyer
Schnitt: Stefan Krumbiegel
Musik: Guy Klucevsek, Maria Kalaniemi, Lars Hollmer, Bratko Bibic, Otto Lechner


Schweizer Filmpreis 2005: Bester Dokumentarfilm.

Seit ihrer ersten Tournée als «Accordion Tribe» im Jahre 1996 gilt diese Formation der Superlative als Garant für musikalische Verve und Melodienseligkeit, für verhangene Melancholie wie für forschende, suchende Klänge.
Ihr virtuoses Zusammenspiel von hoher emotionaler Intensität ist vom bekannten Musik-Regisseur Stefan Schwietert (‚A Tickle in the Heart’) für die Leinwand entdeckt worden.
Fünf höchst eigenwillige Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Ländern zum «Accordion Tribe» zusammengeführt. Sie vollbringen das Kunststück, ihr lange Zeit verschmähtes Instrument wieder in jenes Kraftwerk der Gefühle zu verwandeln, als das es einst in aller Welt Verbreitung fand. Der Film folgt diesen erregenden Klanglandschaften von trancehafter Intensität und deren charismatischen Schöpfern auf ihrer Reise durch ein Europa, dessen reiches musikalisches Erbe für die Bodenhaftung bei den gewagten Höhenflügen im Stamm der virtuosen Handorgler sorgt. Spurensuche und Neuschöpfung, Tradition und unbedingte Zeitgenossenschaft, Fragment und Gleichzeitigkeit: verkörpert in einem spannenden und emotional mitreissenden musikalischen Projekt. Eine grosse Herausforderung für einen Film, der genau in diesen Klängen und Menschen entscheidende Züge unserer gegenwärtigen Welterfahrung widerspiegeln möchte.

ACCORDION TRIBE, das sind:
Guy Klucevsek: Amerikaner slowenischer Abstammung, Initiator des Projekts. Er gilt als der „Rebell mit dem Akkordeon“ und hat sich mit zahlreichen Kompositionen und Soloauftritten einen Namen gemacht.
Maria Kalaniemi: führende Folkakkordeonistin Finnlands mit unverwechselbar melodiösen Komposi-tionen und elegantem Swing. Sie zählt zu den Mitbegründern der neuen "finnischen Welle" in der Volksmusik des skandinavischen Landes
Lars Hollmer: Schwedens Akkordeonexzentriker – mehr von Jazz, Klassik und Rock inspiriert als von World oder Folk. Manche Beobachter sehen in ihm einen der genialsten zeitgenössischen Schöpfer neuer Melodielinien.
Otto Lechner: ist absoluter Autodidakt. Der blinde Musiker spielt seine eigenen Kompositionen, dazu nutzt er seine Stimme wie ein Blasinstrument. Er ist mit seiner entspannten, von kauzigem Humor bestimmten Art auf der Bühne zum Publikumsliebling des Accordion Tribe geworden.
Bratko Bibic: früher Mitglieder der Kultband ‚Begnograd’, bekannt für seine wilden Arrangements, schrägen Sound-Experimente und für plötzliches Kippen in melancholische Melodieschönheit.


MEDIAQUOTES
«Ein Film, der dermassen das Herz erwärmt, dass man ihn gleich mehrmals anschauen will.» Tages-Anzeiger

«Zum Weinen schön.» WOZ

«Ein Doku-Roadmovie mit viel umwerfender Musik.» NZZ Ticket

«Ein Hochgenuss – Und am Ende weiss man kaum, was man mehr genossen hat: den unerhört vielschichtigen, schwelgerischen Klang der fünf Akkordeons oder die Gedankenflüge mit den Akkordeonisten.» züri-tipp

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DAS ALPHORN

2003 / EAN 4021308887533 / FSK o.A.

Regie: Stefan Schwietert
Drehbuch: Stefan Schwietert
Kamera: Pio Corradi
Ton: Benedikt Frutiger
Schnitt: Isabel Meier
Musik: Hans-Jürg Sommer, Balthasar Streiff, Hans Kennel, Mytha, Hornroh, Schönbächler Sisters
Produktion: Neapel Film


Musik der Alpen

Das Alphorn wird nicht in erster Linie als Musikinstrument wahrgenommen, sondern in seiner identitätsstiftenden Rolle für Alpenkultur, Käse und uraltes, unverfälschtes Brauchtum der Hirtenvölker. Das Alphorn gehört in die Berge hinein. Als der in Basel lebende Glarner Musiker Balthasar Streiff vor Jahren die Trompete weglegte und sich fast ausschliesslich mit dem Alphorn beschäftigte, wurde er von seinen Freunden erst einmal milde belächelt. Das Alphorn wurde noch immer als Symbol der „Schweizermacher“ und Tourismusverkäufer angesehen, dem sich im besten Fall ein paar schöne, aber musikalisch beschränkte „Kuhreihen“ entlocken liessen.

Der Film zeigt mit viel Humor, wie schwer der ideologische Ballast dem gequälten Instrument noch anhängt, wie erstaunlich vielfältig und mitreissend gleichzeitig seine musikalischen Möglichkeiten sind.

Eine musikalische Reise von den wilden „Büchelsätzli“ der Innerschweiz, über wunderschöne traditionelle Alphornmelodien aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Hans-Jürg Sommer, den bombastischen Klangtürmen der Gruppe „hornroh“ in Bahnhöfen und Autobahnunterführungen, bis zu den experimen-tellen Klangcollagen des Minimal-Musikers Moondog, die der innerschweizer Jazzmusiker Hans Kennel mit 16 Alphörnern aufführt.


MEDIAQUOTES
«Der Film zeigt auf schöne Weise, wie das Archaische dieses Instruments, das in die Zeiten vor der grossen „Temperierung“ in der abendländischen Musik zurückweist, zugleich seine Modernität ausmacht. Und indem er einen höchst überzeugenden Vertreter der ‚traditionellen‘ Spielweise einführt, gelingt ihm auch das Kunststück, der Position des Jodlerverbands gerecht zu werden, der zuvor arg hat Federn lassen müssen. Applaus. Applaus.»
Neue Zürcher Zeitung

"Virtuos geschnitten überzeugt DAS ALPHORN durch feinfühlig-spitzbübische Fügung von Bild und Ton, der man es verdankt, dass Hans-Jürgs Sommers «Tanz der Kälber», mit Bildern von über die Wiese tollenden Rindern gekoppelt, auch für Nicht-Bauern anschaulich wird. Schwieterts Stärke aber ist die unvereingenommene Gelassenheit, mit der er die Anliegen der Avantgardisten dem Standpunkt der Folkloristen gegenüberstellt und gleichzeitig der Tatsache Rechnung trägt, dass zum vollständigen Bild des Alphorns auch der vom Jodlerverband auf Tournee geschickte Alphornbläser Urs Pattscheider gehört. Er zeigt exemplarisch, wie man an nebelverhangenen Tagen Touristen aus allen Ecken der Welt Schweizer Folklore mit einem Juchzer und viel Freundlichkeit nahe bringt."
Irene Genhart, Cineman

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EL ACORDION DEL DIABLO

2000 / EAN 4021308887434 / FSK o.A.

Regie: Stefan Schwietert
Drehbuch: Stefan Schwietert
Kamera: Ciro Cappellari
Ton: Dieter Meyer
Schnitt: Tania Stöcklin
Musik: Pacho Rada, Manuel Rada, Alfredo Gutierrez, Jan Tillman Schade
Produktion: Neapel Film


Eine Reise an die kolumbianische Karibikküste, in die Heimat des grossen Sängers und Komponisten Pacho Rada. Mit ihm taucht der Film ein in die Musik der Karibik, in das Reich von Cumbia, Vallenato und Son. Es ist eine Welt von Musikern wie Alfredo Gutierrez, der die Stierkampfmusik seiner Heimat in einen fiebrigen, pulsierenden Big-Band-Sound verwandelt. Oder Israel Romero, unbestrittener Star und König des Vallenato-Akkordeons, der sich mit seinem Neffen El Morré einen atemberaubenden Zweikampf unter Akkordeonvirtuosen liefert.

Francisco ‚Pacho‘ Rada selbst ist heute 93 Jahre alt. Er lebt in einer Wellblechhütte am Stadtrand von Santa Marta, während seine Musik die Hitparaden stürmt. Seine Lebensgeschichte aber ist eine Legende. Sie inspirierte den grossen Dichter Gabriel Garcia Márquez zur Figur des Troubadours ‚Francisco El Hombre‘, die sich wie ein roter Faden durch seinen Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ zieht. In EL ACORDEÓN DEL DIABLO erzählt Pacho Rada seine Version der Geschichte. Und er berichtet von jener Nacht, in der er den Teufel in einem Akkordeonduell bezwang und seine Seele rettete.

Wie in den Romanen von Márquez sind auch in den Erinnerungen von Pacho Rada die Grenzen zwischen Phantasie und Realität aufgehoben. Für ihn, der 422 Enkel und Urenkel hat, ist der tägliche Überlebenskampf in Kolumbien so wirklich wie Fabeln und Märchen über Hexen und Ungeheuer. Der Film folgt ihm auf seiner Reise in beide Welten: in ein Land, das von Armut und Gewalt zerrissen wird, und in ein Reich fantastischer Legenden und mitreissender Musik.

«Die Bewohner der Karibikküste sind in ihrem Inneren zutiefst traurige Menschen. Sie übersetzen ihre Gefühle in Musik. Ihre Musikkultur ist aussergewöhnlich. Sie drücken sich in der Musik und dem Tanz aus, was den Eindruck erweckt, sie seien besonders unbeschwert und glücklich. Aber das sind sehr traurige Menschen, die noch viel mit sich herumtragen von der Sklaverei, der Unterdrückung, der Ungerechtigkeit. Und nur durch den Gesang halten sie sich über Wasser. Wer nicht singt, ahnt nichts von dem Glück, das im Singen liegt, vom absoluten Glück.» Gabriel García Márquez


Francisco ‚Pacho' Rada
Pacho Rada ist am 11. Mai 1907 in Las Mulas, am grossen Magdalena Fluss, geboren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befuhren die Schiffe aus Europa den Fluss, an dem Pachos Vater von deutschen Matrosen ein Akkordeon erstanden hatte und einer der ersten Akkordeonspieler in Kolumbien wurde. Auf einem Fest im Nachbarort schnappte sich der kleine Pacho unbemerkt das Akkordeon seines Vaters. Es gelang ihm in kurzer Zeit erkennbar die Melodie von "La Chencha", ein noch heute bekanntes Lied, zu spielen. Der Vater nahm ihn glücklich in den Arm und einige Tage später bekam er sein erstes Akkordeon geschenkt. Pacho Rada wurde einer der ersten Troubadoure, die ohne Begleitung, nur mit Akkordeon und Stimme über das Land reisten, Nachrichten übermittelten und überall dort spielten, wo es etwas zu feiern gab. Hunderte von Liedern entstanden auf seinen Reisen, viele davon gelten heute als Klassiker. Er gilt als der Erfinder des "Son", einem der vier Vallenato Rhythmen. Als die Vallenato-Musik in den 70er Jahren durch den Marihuana Boom über die Provinz hinaus berühmt wurde und die Musiker damit reich werden konnten, war Pacho bereits zu alt. Mit 72 wurde er wieder obdachlos. Mit Hilfe seiner Kinder errichtete er am Stadtrand von Santa Marta ein einfaches Haus, in dem er heute noch lebt. Pacho Rada hat 422 Enkel, Ur- und Ururenkel. Als junger Musiker wurde er von den Frauen geliebt, doch von deren Eltern verachtet. Pacho: "Wer wollte damals schon einen Habenichts als Schwiegersohn, der ausserdem noch wie ein Vagabund umherzog und dessen Geschäft die Musik, der Rum und die Frauen waren? Aber es nützte nichts. Wer vermag eine Frau zurückzuhalten, die liebt?"


KARIBIK - POPSTAR
Von Norbert Parzinger, Schnitt
Was macht ein Popstar, und was macht ihn aus? Sein "Werk" oder das Phänomen der Berühmtheit selber? Inhalt oder Accessoires? Man kann sich jetzt leicht irgendwelche Boygroup-Buben vorstellen, die Korona aus Bravo-Fotographen, Profi-Groupies, schwadronierende Musiksenderchefs und Manager immer drumherum, damit das sorgsam aufgebaute Markenimage keine Kratzer bekommt. Dann mag man sich vielleicht fragen, ob das schon immer so war - und sich die Geschichte eines alten Akkordeonspielers ansehen.

Inspiration und Zentrum des jüngsten Films aus der Werkstatt des Dokumentarfilmers Stefan Schwietert ist Francisco "Pacho" Rada Batista. "Pacho" lebt in einer selbstgebauten Blechbaracke am Stadtrand von Santa Marta an der kolumbianischen Karibikküste; einen Manager hatte er nie, nicht mal irgendwelche Plattenaufnahmen. Und doch war er genau das, was man im Südamerika der 30er und 40er Jahre einen "Popstar" nennen könnte: ein Wandermusikant und Erzähler, ein Lebenskünstler und einer der bedeutendsten Komponisten und Musiker in der Geschichte der karibischen Volksmusik, des Vallenato. Viele seiner Stücke sind heute Klassiker, mit denen professionelle Bands wie Israel Romeros "Binomino de Oro" kräftig verdienen; der Romancier Manuel Garcia Marquez schuf nach seinem Vorbild die Figur des Troubadours "Francisco El Hombre" in "Hundert Jahre Einsamkeit". "Pacho" ist eine lebende Legende und trotzdem ein armer alter Mann.

Arm? Ansichtssache. Er hat noch immer sein Akkordeon, auch wenn er nicht mehr oft spielt; er hat seine Familie und viele Freunde. Das Leben habe es schon immer gut mit ihm gemeint: "Paranda, rum y mujer", wie sein Neffe Manuel Rada Oviedo, auch er ein einfacher Musiker, singt. Und genau davon erzählt der Film: nicht von der materiellen Not, die den Menschen das Leben schwer macht - so angebracht das durchaus wäre. Sondern von der Liebe zur Musik, der sozialen Wärme, die sie am Leben erhält. Seine Handkamera läuft nicht kühl beobachtend durch das Elend der kolumbianischen Slums, sondern begleitet den bescheidenen alten Virtuosen auf der Reise in seine Heimatstadt; geduldig sieht sie dem Akkordeonbauer beim Stimmen über die Schulter oder sitzt einfach mit im Kreis der Nachbarn um "Pachos" Hängematte, wenn er seine Nachkommen zusammenzählt und ganz erstaunt auf 422 Kinder, Enkel und Urenkel kommt.

Die wunderbar entspannte Atmosphäre der Karibikküste haben Schwietert und seine Kameraleute hier in Bildern eingefangen, die man in dieser poetischen Intensität selten zu sehen bekommt. Nervig ist dabei einzig der (deutsche) Off-Kommentar. Gegen das freie Fabulieren des Volkserzählers setzt Schwietert eine "eigene, verdichtete, literarische Form dieser Geschichten und Gedanken", die in ihrer gerafften, rationalisierten Erscheinung nicht wirklich in den Kontext paßt - und die noch dazu immer gerade dann wieder einsetzt, wenn der Zuschauer in die Welt der karibischen Legenden einzutauchen beginnt.

So müde und bekümmert, wie Günter Lamprecht hier klingen zu muessen meint, ist "Pacho" Rada dabei wirklich nicht. Ein knappes Jahr nach Abschluß der Dreharbeiten hat der alte Kolumbianer mit 93 Jahren zum dritten Mal geheiratet: kein Groupie. Eine alte Freundin.


HUNDERT JAHRE EINSAMKEIT
Von M. Schleicher, Filmszene.de
Auch in der Literatur ist der hagere, alte Mann zu finden: Der Schriftsteller Gabriel Garcia Márquez nahm unter anderem Pacho Rada als Vorbild für die Figur des Francisco El Hombre in seinem Roman "Hundert Jahre Einsamkeit". Ähnlich wie vor fünf Jahren, als Stefan Schwietert mit A TICKLE IN THE HEART dem Klezmer und den Epstein-Brüdern ein filmisches Denkmal setzte, erzählt der Regisseur auch diesmal nicht. Schwietert lässt sich erzählen. Und diese subjektive Sicht der Dinge, Radas persönlicher Blick eben, macht den Reiz von EL ACORDEON DEL DIABLO aus. Und dann ist da natürlich noch diese teuflische Musik. Als ob der Gehörnte selbst zum Tanze aufspielt.


MEDIAQUOTES
«Wunderbar. Eine musikalisch wie menschlich so poetisch, emotional und sinnlich erzählte Geschichte.» JAZZ

«Ein Kinosaal am Filmfestival von Locarno mit fast 3000 Zuschauern. Etliche Male Applaus auf offener Szene, am Schluss tobt das Publikum, das Klatschen will kein Ende nehmen. Beim Hinausgehen sehe ich, dass ich nicht der einzige mit verweinten Augen bin. Ein Film über und mit Menschen, die berühren.» Paul Riniker in: metropol

«Der in seiner Bild- und Tonarbeit berückend gestaltete Film entwickelt einen geradezu musikalischen Fluss.» züri-tipp Tages-Anzeiger

«Ein starker Film, einer, der die Zuschauer mitzutragen versteht wie damals ‚A Tickle in the Heart‘. Schwietert hat ein Gespür für Musik und eine geschickte Hand im Umgang mit alten Musiker-Originalen (...) Und der Rhythmus dieser Musik fährt direkt in die Beine.» Zürichsee-Zeitung

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HEIMATKLÄNGE - ECHOES OF HOME

2007 / EAN DT 7640118761160 / EAN FR 7640118761177 / FSK 10

Regie: Stefan Schwietert
Drehbuch: Stefan Schwietert
Kamera: Pio Corradi
Ton: Dieter Meyer
Schnitt: Stephan Krumbiegel
Musik: Erika Stucky, Noldi Alder, Christian Zehnder, Sina, Stimmhorn, Huun Huur Tu
Produktion: Maximage


Schweizer Filmpreis 2008 als » Bester Dokumentarfilm
Berlinale 2007 - Forum des Jungen Films » Publikumspreis / Preis der Europäischen Arthouse Kinos
Vision du Réel Nyon 2007 » Publikumspreis
Int. Filmfestival Athen 2007 » Best Music Film Award
Nominiert für den europäischen Filmpreis 2007

Was hat Babygeschrei mit dem Echo eines Jodlers im Gebirge zu tun, was der Kopfton eines tuvinischen Nomaden mit dem Stimmengewirr auf einem Gemüsemarkt, was ein kleiner Chor, der ein Ständchen übt, mit der Bühnenshow eines Vokalartisten? Die Antwort lautet: DIE STIMME. Ihr Klang ist der unmittelbarste Ausdruck des Menschen, seiner Gefühle, der wunderbaren Tatsache, dass er existiert.
«heimatklänge» ist ein Film über dieses ursprünglichste aller Instrumente. Auf dem Hintergrund trutziger Alp- und moderner Stadtlandschaften dringt der Film in die wundersamen Stimmwelten von drei exzeptionellen Schweizer Stimm-Artisten ein, deren Klangkosmos weit über das hinausreicht, was wir als Gesang bezeichnen würden. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Milieus und Lebenswelten. Aber allen gemeinsam ist der freie, unkonventionelle Umgang mit dem nonverbalen Gesang. Sie machen ihre Musik aus einem inneren Drang heraus. Sie setzen den Körper als Resonanzraum für den spontanen Ausdruck ihrer Gefühle ein.
Die Musiker sind Teil eines zukunftweisenden Aufbruchs der alpenländischen Vokalkunst. In ihren experimentierfreudigen Auseinandersetzungen mit heimischen und fremden Traditionen wird die Bergwelt mit ihren mächtigen Naturschauspielen ebenso zur Bühne, wie die Landschaften und Geräuschkulissen der modernen Lebenswelten. Der Film begegnet den Musikern in ihren Lebensräumen, führt uns zu den Quellen ihrer Inspiration, lässt uns die Gründe für ihren Nonkonformismus entdecken, ihren Sinn und ihre Leidenschaft für die Melodiosität der menschlichen Stimme oder für die ungeahnte Exotik der alpenländischen Lieder.
«heimatklänge» begibt sich auf die Suche nach der Musik - und mit der Musik auf die Suche nach dem Geheimnis der menschlichen Stimme.


MEDIAQUOTES
«Es gibt Musik, Klänge, Töne, die so tief berühren, dass sie einen zum Weinen bringen. Zugleich aber auch trösten, ruhig machen, ein Lächeln hervorbringen, ans Herz gehen. HEIMATKLÄNGE handelt vom ursprünglichsten aller Instrumente: der menschlichen Stimme. Er macht den Betrachter und Hörer schwindlig mit diesen Stimmen, seinen Bildern von Himmel und Wolken, Felsen, Flüssen und massiven Gebirgen der Schweizer Alpen. Wo die Menschen rufen, singen, jodeln, juchzen, sich erfreuen am Echo, am Zwiegespräch mit der Natur.
Das ist keine platte Touristen-Folklore. Das ist echtes Gefühl, wahre Kunst.
Drei kunstvoll miteinander verwobenen Porträts über drei ausserordentliche Sänger vor dem Hintergrund der Schweizer Heimat. Sehr sehenswert.» Tagesspiegel Berlin

«Der Film handelt vom Jodeln. Aber nicht vom Gejuchz aus dem bluemeten Trögli, sondern von einer wilden Tradition und kreativen Weltsprache. Drei Musiker – Sänger, Jodler, Jodelphilosophen eigentlich – beschwören da ihre Geister und Gegenwarten. Sie suchen das Eigene und finden es im Appenzell oder in der Mongolei; und das ist (erlauben wir uns das bisschen Pathos) ein Wunder an Rhythmus, Bildermelodie und unprätentiöser Gescheitheit – Der Film stösst die Tür zu Weltgeschichten auf.» Tages-Anzeiger

«Es ist eine Wonne, Ericka Stucky, Noldi Alder und Christian Zehnder zuzusehen. Der Film sollte länger sein!» Kultur-Extra

«Ein wirklich eindrückliches Klang-Bild-Erlebnis» Cinema

"Als Kind spielte ich Klavier, und es war mein Traum, Musiker zu werden." Doch mit seinen "zwei linken Händen" sei das unmöglich gewesen, denn was er tue, wolle er perfekt machen. Als Filmemacher indes sah Schwietert die Möglichkeit, Musik und Film zu vereinen. "Es hat mich jedoch nie interessiert, Musikfilme zu machen oder Musik zu verfilmen." Bei Fernseh-Auftragsarbeiten mache er das zwar gelegentlich, was er als handwerkliche Herausforderung begreife. "Es geht mir vielmehr darum, die Musik als Vehikel zu benutzen, um damit etwas anderes zu erzählen, das dahintersteht. Darum, Menschen in ihrem Kontext zu sehen und ihre Musik als ein Element zu begreifen, das sehr viel über die Veränderung von Kulturen erzählt."(...)
Im Zentrum der HEIMATKLÄNGE steht die menschliche Stimme, die Suche von Menschen nach ihren eigenen Klängen. Das sei sehr persönlich, denn damit gebe ein Mensch auch etwas von seiner Identität preis. "Das wollte ich zeigen: Es gibt einen Ausdruck, der auf ganz archaische Formen von Kultur und Alltag zurückgeht. Wo man sich spontan hinstellte, wenn das Wetter sich änderte oder sonst eine Emotion einen bewegte, und man das hinausgejuchzt, hinausgejodelt hat." Es gebe für ihn eine direkte Verbindung zu einer sehr aktuellen Auffassung von Musik, wo im Musizieren wieder eine grössere Freiheit gesucht werde, wo es zunächst einmal kein Richtig und kein Falsch gebe und wo es einfach nur um das Singen und die Lust daran gehe. Deshalb auch der Titel des Films: "Heimat ist ein schönes Wort, das es so nur in der deutschen Sprache gibt", sagt der 1961 geborene, in Therwil aufgewachsene, seit langem schon in Berlin lebende Filmemacher. "Man sollte den Begriff nicht den Ewiggestrigen überlassen. Es geht ja um ein ureigenes Gefühl davon, wo ich meine Identität habe. Das hat nichts mit Ausgrenzen zu tun. Ich kann als Schweizer in Berlin Heimat in mir haben und von dem Standpunkt aus auch wunderbar mit anderen Kulturen kommunizieren."
Neue Zürcher Zeitung

"Es geht um die menschliche Stimme in Schwieterts HEIMATKLÄNGEN, um die Stimme in dieser Schweizer Landschaft. Dann um drei Menschen, die ihre Authentizität entwickelt haben in einer Auseinandersetzung mit der Musik, die aus dieser Landschaft kommt. Um eine neue Volksmusik. Sie haben diese Freiheit gesucht, von der Noldi Alder spricht, doch wie verschieden sind sie. Erika Stucky hat eine völlig andere Geschichte. Sie wuchs bis zu ihrem zehnten Lebensjahr in Kalifornien auf und kam dann ins Oberwalliser Dorf Mörel. Sie hat gleichsam zwei Wurzeln, die sie in ihren Performances miteinander in Einklang zu bringen versucht. Das tut sie auf stimmige Weise. Ihr Bezug zum Lebensraum ist nicht ungebrochen. Da geht es eher darum, «den Rahm abzuschöpfen» von der archaischen Walliser Sagenwelt und daraus etwas allerdings ganz Eigenes zu machen. Ihre Musik hat auch sehr viel mit Theater zu tun, mit der Ironie, dem Paradoxen. Selbst wenn sie in einer Kneipe in Mörel für die Dörfler singt – ein absurder Auftritt."
Alfred Zimmerlin, Neue Zürcher Zeitung

 
   
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