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4 KURZFILME
1985 - 87 / EAN 4021308888042 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Kamera: Peter Liechti
Schnitt: Peter Liechti
Produktion: Peter Liechti
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 1985-1987
Musik: Sun Ra, Elvis Presley, amerikanische & sowyetische Nationalhymne, Res Wegmann, Norbert Möslang, Andy Guhl
Ton: Florian Eidenbenz, Magnetix, Peter Liechti
Grafik: Bernard Tagwerker
Künstlerische Aktionen: Roman Signer
THÉÂTRE DE L'ESPÉRANCE
Mit Ronald Reagan, Roman Signer, Gorbatschow uva., Experimentalfilm/Essay, CH 1987, 19 Min., Farbe, mono, diverse Sprachen
"Heute ist es doch so: Weltfrieden, Auf - und Abrüstung sind abgedroschene Themen und die Bilder aus TV und Zeitung dazu sind abgedroschene Bilder. Im Bewusstsein dieser Tatsache habe ich mich - nicht ohne Lust - daran gemacht, die längst verbrauchten Bilder vom Genfer Gipfeltreffen zwischen Reagen und Gorbatschow noch einmal ans Licht zu zerren ...
Den Rahmen zur Geschichte hat Roman Signer beigesteuert: Refrain, Kommentar und frische Luft." P. Liechti
TAUWETTER - EAU DE VIE - NICE WEATHER
Essay, CH 1987, 16mm Blow-Up, 8 Min., Farbe, mono, kein Text
Zur Zeit der Schneeschmelze, wenn die Hüge1 im Appenze11 mit einem Netz von grünen und weissen F1ecken überzogen sind, g1eiten gefü11te Wassereimer langsam den Hang hinauf und hinab.
AUSFLUG INS GEBIRGE
Fiction/Essay, CH 1986, S-8/16mm, 33 Min., Farbe, mono, Originalversion: Deutsch mit Untertiteln in Englisch
Während seiner Ferien macht einer einen Ausflug ins unbekannte Nachbarland. In der alpinen Enge dort findet er ein ideales Echo auf seinen mitgebrachten Koller: Bergkoller, Zivilisationskoller, Mentalitätskoller...
zeitweise wird ihm dieses ungehemmte Kollern gar zum Vergnügen.
SENKRECHT / WAAGRECHT
Experimentalfilm, CH 1985, Super-8, 7 Min., Farbe, mono, kein Text
Die Aktionen Roman Signers verstehen sich in ihren Bewegungs- und Handlungsabläufen als Raum/Zeitplastiken. Die Bewegungsrichtungen in den vorliegenden Dokumenten verlaufen ausgesprochen gegensätzlich, und so heisst der Film auch ganz einfach: «Senkrecht/Waagrecht». Unterstrichen wird diese Gegensätzlichkeit durch die Handlungsorte: Winter/Eis/Wasser/Sommer/ Wolken/Luft. «Kommentiert» wird die Geschichte mit den abstrakten Zeichen der Taubstummen-Sprache und vor allem mit der Musik von Möslang/Guhl.
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GRIMSEL - EIN AUGENSCHEIN
1990 / EAN 4021308888059 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Filmidee: Res Balzli, Peter Liechti
Kamera: Peter Liechti
Schnitt: Pius Morger
Produktion: Balzli & Cie.
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 1990
Musik: Martin Schütz
Ton: Adreas Litmanowitsch
Mitwirkende: Adolf Urweider, Alexander Schläppi, Klaus Ammann, Marie Jaggi- Bossli
Berner Filmpreis 1990
Qualitätsprämie EDI 1990
Festivalpreis Turin 1995
Grimsel-West heisst das Projekt für den Ausbau des Wasserkraftwerkes im Haslital, das am 30. Juni 1988 eingereicht wurde, dessen Verwirklichung vorerst unwahrscheinlich scheint. Der Film, ursprünglich als Wiederstandsausdruck gegen den Bau dieses neuen Staudammes konzipiert, versucht, dem intuitiven Unbehagen gegenüber solchen Umwelt-Nutzungsplänen auf die Spur zu kommen.
«Ob die Schweizer Filmschaffenden, nach jahrzehntelanger Gleichgültigkeit, nun endlich die Dringlichkeit ökologischer Fragestellungen erkannt haben?»
Neue Zürcher Zeitung
«Und wenn jemand bis hier herauf kommt und sagt: Das gefällt mir jetzt! Da ist es schön! Dann ist das auch ein Wert. Freude ist auch etwas Nützliches!»
Alexander Schläppi
«Berge sind für mich nicht etwas Schönes oder Malerisches - die sind dort einfach, das sind Steinhaufen, die einst aufgestossen oder abgelagert worden sind... Es ist eine Sentimentalität entstanden um die Berge, die ich nicht mag. Sobald man über etwas sentimental wird oder nostalgisch, dann macht man es eben zu einem Kult, und dann ist man nicht mehr ganz verantwortlich dafür. Man sagt: Es ist schön - und dabei ist es unheimlich kompliziert und unheimlich vielfältig und unheimlich gefährlich, und man sagt einfach: Es ist schön. Damit hat man es auf eine Art vermenschlicht und vereinfacht - und mit dem gleichen Geist kann man es nachher zerstören: Nachher ist es halt einfach ein bisschen weniger schön. Und mit dem einfältigen Wort «schön» vermeiden wir es, uns Rechenschaft abzulegen, in welch komplizierten Mechanismus wir da eingreifen, wo wir vermutlich eben nicht eingreifen sollten. Als ob wir sagten, was schön ist! Ich möchte das Wort «schön» sogar ganz aus der Natur herauslassen; Natur ist. Ist undurchschaubar, ist faszinierend, ist grausam, ist... ist einfach!»
Adolf Urweider
Zur Entstehungsgeschichte des Films
GRIMSEL ist von anfang an als «engagierter» Film konzipiert worden. Die Argumente der Befürworter von GRIMSEL - WEST haben uns eigentlich nie interessiert, Ausgewogenheit überlassen wir gerne «ausgewogeneren» Geistern.
Als dann gleich zu Beginn unserer Dreharbeiten klar wurde, dass das GRIMSELWEST-Projekt im vorgesehenen Ausmass wohl nie zustande kommen wird, hat sich uns kurz die Frage gestellt, ob sich damit auch unser (Film-) Projekt erledigt hätte. Gleichzeitig fühlten wir aber eine grosse Erleichterung: Befreit von militanten, argumentativon Zwängen konnten wir nun unsere Arbeit umso persönlicher wilder" auch - angehen. Die MAUER war zum «Phantom» verblasst; davor hob sich nun umso unvorstellbarer das drängende, komplexe alte Thema ab: Die Nutzung letzter unberührter Landschaften durch den Menschen. Da sind die Wanderer, die Wildhüter, die Künstler, da ist die Wirtschaft und irgendwo dazwischen die Wissenschaft... Nicht als irgendwelche Interessenvertreter, sondern als reflexartige Gegner ahnend, dass dort oben etwas grundsätzlich falsch läuft - wollten wir an Ort und Stelle unsere Intuition auf Stichhaltigkeit prüfen. Wir hofften, durch unsere ausgedehnten Aufenthalte in der Landschaft, durch Gespräche mit Einheimischen und Fachleuten mit der Zeit die richtigen Bilder zu unserem Unwohlsein zu finden. Um weitergehende Einsichten zu gewinnen, konnte es uns als Städter nicht befriedigen, das eigene gebrochene Verhältnis zur Bergweit auszuklammern: Die Ambivalenz zwischen Faszination und Abstossung der gewaltigen Monumente zeitgenössischen Industriebarocks auf der einen Seite und der rauhen, unzugänglichen Natur im «Rohzustand» auf der anderen.
Einen Sommer lang haben wir unser Thema umkreist, haben diese Landschaft begangen, uns eingehört in die wunderbar musikalische und präzise Sprache der Einheimischen - je später dieser Sommer, je kleiner wurde die MAUER, ein lästiges Anhängsel am Schluss... Was wir schliesslich mitgebracht haben verbindet sich keineswegs zu einem runden, geklärten Bild - Eindeutigkeit hätte nie der divergierenden Vielfalt unserer Erfahrungen , unseren wahren Empfindungen entsprochen. Am meisten beeindruckt haben uns dort oben die Kontraste. Gefühle, die wir am ehesten teilen konnten mit der ansässigen Bergbevölkerung: Unbestimmte Zukunftsängste und Melancholie.
Was uns bleiben wird: Verstärkte Solidarität mit dem Widerstand aus eben dieser Bevölkerung und gesteigerter Abscheu vor dem Entgleistsein unserer eigenen Zivilisation.
Peter Liechti, Res Balzli
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HANS IM GLÜCK
2003 / EAN 4021308887830 / FSK 16
Aufwendige Schweizer SONDERAUSGABE inklusive Trailer, 68-seitigem Buch zum Film mit Videostills und vollständiger Original-Textliste und CD
Regie: Peter Liechti
Buch: Peter Liechti
Kamera: Peter Liechti
Schnitt: Tania Stöcklin
Produktion: Peter Liechti
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 2003
Künstlerische Aktionen: Dieter Roth, Roman Signer
3sat-Filmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm
HANS IM GLÜCK ist die Geschichte von einem, der auszieht, das Rauchen loszuwerden.
Dazu unternimmt er einen Fussmarsch von Zürich, seinem jetzigen Wohnort, nach St.Gallen, der Stadt, wo er aufgewachsen ist. Er hat sich vorgenommen, diese Strecke - auf immer wieder anderen Routen - so oft zu wiederholen, bis das Ziel erreicht ist. Durch das rituelle Abschreiten der Landschaft und das strikte Rauchverbot, das er sich auferlegt unterwegs, erhofft er sich am Ende die Befreiung von seinem Laster.
Alle Bilder, «Erkenntnisse» und Erinnerungen, die er auf seinen Nichtraucher-Märschen erwandert, bilden schliesslich den Fundus zu dieser Heim-Suchung eines Rauchers: eine filmische Himmel- und Höllefahrt quer durchs Vaterland - mit gelegentlichen Abstechern weit über die Grenzen hinaus.
HANS IM GLÜCK ist ein Roadmovie für Fussgänger. Eine Widmung an alle Raucher und anderen Abhängigen, an alle Pechvögel und (trozdem) Anständig-Gebliebenen - und natürlich an den Hans im Glück.
«Seit das Rauchen kein Problem mehr ist, wird mir das Denken zum Problem. Kaum hör' ich auf mit dem Rauchen, fang ich schon an mit dem Denken. Wo früher das Denken gewissermassen limitiert war, da denk' ich heute völlig ungebremst drauflos. Das bedeutet nicht grössere Denkschärfe oder Denktiefe, vielmehr ist es eine Art gedankliches Hyperventilieren. Schon gegen mittag hat sich mein Denken im Grunde erschöpft bei dieser Gedankenraserei - dann geht's aber den ganzen Tag noch weiter.»
Peter Liechti
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HARDCORE CHAMBERMUSIC
EIN CLUB FÜR 30 TAGE
2006 / EAN 76401201911313 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Buch: Peter Liechti
Kamera: Peter Guyer, Matthias Kälin, Peter Liechti
Schnitt: Tania Stöcklin
Produktion: Peter Liechti, Schweizer Fernsehen SF
Produktion: Peter Liechti
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 2006
Ausstattung: Buffet für Gestaltung, Daniel Schneider
Ein Bild-Ton-Kunstwerk, das die Leinwand erzittern lässt.
Seit über fünfzehn Jahren steht das renommierte Schweizer Trio KOCH-SCHÜTZ-STUDER mittendrin im internationalen Musik-Geschehen. Ihre Musik ist heftig und direkt; nie "abgehoben", doch immer sensibel; nie "primitiv", doch immer sehr körperlich – anspruchsvolle Musik zum Anfassen.
Mit einem 30-tägigen Musik-Marathon laden KOCH-SCHÜTZ-STUDER ein zu Kammer-Musik in ihrer radikalsten Form: Vom 1. bis 30. September 2005 improvisierten KOCH-SCHÜTZ-STUDER jeden Abend zur gleichen Zeit 2 Sets à 40 Minuten. Die alte Schlosserei 12 in Zürich West wurde von "Buffet für Gestaltung" eigens für diese Aktion in einen temporären Club umgebaut – eine Insel für Hör-Musik, 30 Tage Konzentration auf eine Sache ...
HARDCORE CHAMBERMUSIC ist die Verdichtung von dreißig Tagen Musik auf einen Film-Abend: Einsteigen, mitfahren, mitgenießen, mitleiden – Musik er-leben. Die aufregende Synthese zweier eigenständiger Ausdrucksmittel.
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KICK THAT HABBIT
1989 / EAN 4021308888035 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Kamera: Peter Liechti
Schnitt: Dieter Gränicher
Produktion: Peter Liechti
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 1989
Ton: Norbert Möslang, Andy Guhl
Mitwirkende: Norbert Möslang, Andy Guhl, Knut Remond, Thomas Imbach, Carole Forster, Bea Hadorn, Monika Sennhauser, Peter Künzli, Alex Hanimann, Roman Signer, Peter Kamm, Peter Liechti
Mitarbeit: Thomas Imbach
KICK THAT HABIT ist ein Film aus dem kargen Osten der Schweiz, ein TON-Film mit den Musikern Norbert Möslang und Andy Guhl: Erstmal ein gemeinsames Mini-Minigolf; es folgt eine Probe im Atelier M/G, dann geht's hinauf zum Alpstein, man findet sich mitten in einem Konzert, schweift ab in den blauen Süden, wird zurückgeholt an den abendlich gedeckten Tisch, dann geht's hinab zum Bodensee, zum nächsten Konzert, ein Ausklang in russisch-verklärte Super-8 Landschaften, man findet sich wieder im Trüben fischend, bevor es unterm Wasser durch geht heim ins Atelier, wo der Film sich schliesslich selbst vertont.
Verscheuchte Gewohnheiten lockern die Sinne.
Mit: Norbert Möslang, Andy Guhl, Knut Remond, Thomas Imbach, Carole Forster, Bea Hadorn, Monika Sennhauser, Peter Künzli, Alex Hanimann, Roman Signer, Peter Kamm, Peter Liechti
Ein Dropkick der Sinne
von Christoph Settele
KICK THAT HABIT ist kein konventionelles Musiker-Porträt, keine psychedelische Bebilderung von Recycling-Noise-Music, kein dokumentarisch aufgemotzter Videoclip, sondern der Versuch einer subtilen Annäherung einer visuellen an eine akustische Ausdruckswelt, die in eine raffinierte Synthese münden wird.
Wie der Titel des Films verspricht, steht die Infragestellung von Gewohnheiten, Ordnungen und Mustern im Mittelpunkt, primär natürlich Gewohnheiten des visuellen und akustischen Erlebens. Dass dieser Kick durch alle möglichen Habits einer ereignislosen, kleinkarierten schweizerischen Realität zu einem Erlebnis wird, ist allem voran der beeindruckenden Kameraführung von Peter Liechti zu verdanken.
Das Porträt zweier Musiker, die aus AbfallElektronik neuartige Töne recyclen, bildet den Ausgangspunkt einer hintergründigen Suche nach verlorenen, zerstörten und ver-rückten Erlebnisbereichen. Proben und KonzertAusschnitte der beiden Musiker Guhl und Möslang stehen visuellem Erinnerungs-Matedal des Filmemachers gleichgewichtig gegenüber. Peter Liechti entlockt alltäglichen Beobachtungen eine atmosphärische Endzeitstimmung, die auch in der Musik vital spürbar ist. Diese autonomen Teile werden mit einem "Ausflug ins Gebirge" zum Alpstein und einem anderen hinunter zum Bodensee verknüpft zwei magische Eckpunkte, die das gemeinsame Herkunftsgebiet des Filmemachers und der Musiker, die Ostschweiz, eingrenzen.
Wie die Musiker dem akustischen "Erbe" des zivilisatorischen Abfalls auf der Spur sind, so rückt der Filmemacher dem durch die Freizeitindustrie zerstörten Berg-Mythos visuell zu Leibe und entdeckt nurmehr eingekapselte, hinter Glas verschanzte Ereignislosigkeit. Allein dem unergründlichen See scheint durch die Kolonisation das Archaische nicht ganz abhanden gekommen zu sein.
KICK THAT HABIT ist eine filmische und akustische Entdeckungsreise, die durch den hohen Grad an sinnlicher Qualität besticht und stets neue Aspekte und Sichtweisen ein- und desselben Gegenstands auf lustvolle Art vermittelt. Das Alltäglichste wirkt befremdend und ver-rückt, erscheint in einem andern Licht, jenseits definierter Ordnungen und bewegt sich somit stets an der Grenze zum Surrealen, Magischen. Wie Guhl und Möslang die entwertete Alltagselektronik zu knacken versuchen, so durchleuchtet Liechti die Orte und Objekte des Geschehens und ihre visuelle Codierbarkeit. Bilder und Töne überlappen sich, ohne dass sie sich gegenseitig augenfällig zu interpretieren versuchen. Es eröffnen sich vielmehr Assoziationsfelder, die sich im Lauf der Zeit zu einem weitmaschigen Ton-Bild vernetzen, das Blick und Ohr für eine Welt zu schärfen vermag, hinter deren erstarrter Ordentlichkeit zugleich ihre Deformation und damit ihre offene Form aufscheint.
Das fliessende Wechselspiel der sanften Annäherung von Visuellem und Akustischem führt am Schluss zu einer spielerischen Verbindung: die Bilder erschaffen sich ihren eigenen Ton durch lichtempfindliche Sensoren von Möslang und Guhl.
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MARTHAS GARTEN
1997 / EAN 4021308888028 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Buch: Peter Liechti, Martin Witz
Kamera: Werner Penzel
Schnitt: Dieter Gränicher
Produktion: Balzli & Fahrer & Co., Res Balzli, Schweizer Fernsehen DRS, Martin Schmassmann, BR, Silvia Koller, Suissimage
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 1997
Musik: Martin Schütz
Ton: Ingrid Städeli
Darsteller: Stefan Kurt, Susanne Lüning, Làszlò I. Kish, Karl-Ulrich Meves, Nina Hoger, Nikola Weisse, Fr. Ingrid Von Bothmer, Christian Schneller, Diethelm Stix, Helmut Vogel, Peter Kamm, Johannes Flütsch & Franco Carrer, Anton Marty, Vasco Savio, Yvo Egger, Heinz Stamm
Berner Filmpreis 1998
Qualitätsprämien EDI 1997
Festivalpreis Solothurn für die Filmmusik 1997
Seit Wochen ist es kalt und nass. Es ist schon spät, Karl Winter ist auf dem Weg nach Hause. Unter finsteren Umständen trifft er auf eine Frau von rätselhafter Faszination - Martha... Damit beginnt eine Liebesgeschichte von fataler Dynamik, die Karl weit aus den Bahnen der «Vernunft» wirft. Hinterhältige Träume und unterschwellige Veränderungen in Karls Umgebung bestätigen sein Gefühl, dass mit Martha auch das Unheimliche in sein Leben getreten ist.
MARTHAS GARTEN ist ein Stück Kino in dunklem Schwarz-Weiss. Ein WinterDrama, ebenso mörderisch wie komisch. Ein Film über die Isolation und das langsame Irrewerden im Klima hartnäckig verteidigten Stumpfsinns.
«Wir sanken und sanken und fielen uns immer tiefer in die Arme. Irgendwo draussen lauerte das Verderben - ich war auf der Hut, doch ich wusste nicht wovor… »
Kritik von Martin Schlappner, ZOOM
An Festivals mir ihrer aus Übersättigung stammenden Atmosphäre der Ungeduld gerät das Urteil, ein Film sei daneben geraten, meistens selber daneben. So ist es Peter Liechti mit seinem ersten Spielfilm MARTHAS GARTEN geschehen. Die Kritik grämte sich an seiner Uraufführung in Locarno. Was, so brummte man, hatte denn der Dokumentarist, der 1986 mit AUSFLUG INS GEBIRG seine erste Qualitätsprämie beim Bund eingezogen und seither mit jedem weiteren Film bis hin zum grossartigen SIGNERS KOFFER keine weitere ausgelassen hat, im Spielfilm zu suchen? Nichts anderes, so die Antwort, als eben das Experiment, wie sich ein dokumentarischer Film und sein Thema in eine szenische Fiktion verändern liesse, so dass sich beides, die fiktionale Erzählung und ihre dokumentarisch fundierte Herkunft ineinander vereinigt.
MARTHAS GARTEN hat, als erzählerischer Stoff, offensichtlich und nach Peter Liechtis eigener Darstellung, verschachtelten Ursprung. Zum einen sind da des Autors Lektüre von Vampirromanen und deren Fortführung im eigenen literarischen Text der sogenannten «Winterprotokolle»: Das sind Polemiken aus dem «mörderischen Alltag einer Kleinstadt». Zum anderen gibt es vorausgehend den dokumentarischen Film, zuletzt SIGNERS KOFFER, wo sich Vorbilder für eine aus jeder Bindung der Vernunft befreiten Phantasie finden lassen, die im Spielfilm nun in Ulk verfremdet werden und dennoch obsessiv wiederkehren.
Einem Mann, Karl genannt (Stefan Kurt), einem Normalbürger, begegnet eine Frau, Martha (Susanne Lüning), die so geheimnisvoll auftaucht, wie sie ohne jede Erklärung wieder verschwindet. Wäre ihr Kuss der Vampirbiss? Karls Leben versickert in Unruhe. Wo vorher geliebte Ordnung war, löst der Halt sich nun in Ängste auf. Im Schlaf melden sich Träume, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Aus den Träumen steigen Ungeheuer. Wahn ergreift Karl, jedes Mal, nachdem Martha ihn verlassen hat, noch weniger wegweisbar als vorher. Und kein Zweifel besteht, der Wahn wird blutig enden. Karl tötet einen Mann, Tepesch (Karl Ulrich Nleves), dessen Erscheinung so undefinierbar ist wie schliesslich auch Martha.
Ein dunkler Film, was seine schwer ausdeutbare Geschichte betrifft, von der man freilich ahnt, wie sie ausgehen wird. Ein Film im Dunkel, denn die Jahreszeit, in welcher Karls Wahn sich schliesslich austobt, ist der Winter. War der Winter einst kaum zu spüren, weil die Tage in der Wärme der geheizten Stube verflossen, so ist er nun, da das Gemüt sich in Angst verheddert, eine einzige, eine tödliche Gefahr. Auf einmal ist die Kälte, ist die Nässe da. Selbst der Schnee auf dem Berg, wohin der Ausflug führt - in Reminiszenz an den AUSFLUG INS GEBIRG, nur tiefer ins Entsetzen - ist trüb. Ein Film im Dunkel von Schwarzweiss (exzellente atmosphärische Kamera von Chilinski - wer immer das ist), das Dunkel des fahlen Tages, das Dunkel der Nacht, das Dunkel düstern Lichts aus Lampen, aus verhängten Fenstern, im Widerlicht der nassen, schwarzen Strassen. Und über den Feldern, wo Karl mit seinem Freund Uwe (Làszlò I. Kish) und dessen Frau Claire (Mina Hoger) sich befinden, wölbt sich mit dem Grau des Himmels das Grauen. Die Kormorane, schwarz und die Flügel weit gespannt, so gewohnt sie sonst sind, verwandeln sich für Karl in Ungeheuer. Und was ihn in den Träumen anblitzt, was ihn in der Tagesphantasie heimsucht, überwältigt ihn schliesslich.
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NAMIBIA CROSSING - SPIRITS AND LIMITS
2004 / EAN 4021308888066 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Buch: Peter Liechti
Kamera: Peter Guyer, Peter Liechti
Schnitt: Loredana Cristelli
Produktion: Reck Filmproduktion, Franziska Reck, Liechti Filmproduktion
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, Namibia, 2004
Musik: Hambana Sound Company, verschiedene namibische Musikgruppen
Ton: Dieter Meyer
Hambana Sound Company: 12 Musiker und Sängerinnen aus Namibia, Zimbabwe, Angola, der Schweiz und Russland gehen zusammen auf Tournee. 12 verschiedene Träume unterwegs in einem Land, das sich – genauso wie das frisch gegründete Ensemble – von Grund auf neu erfinden muss: Namibia, ehemals Deutsch-Südwestafrika...
Windhoek - Epukiro - Mariental - Tsumkwe - Lüderitz.
Die gemeinsame Suche nach den tieferen Quellen von Musik wird mehr und mehr zur Grenzerfahrung jedes Einzelnen, vor allem durch die Begegnung mit den lokalen Musikgruppen in den abgelegenen Provinzen – euphorische, traurige, heftige Begegnungen...
NAMIBIAS CROSSINGS ist die Reise durch ein Land von archaischer Schönheit und voller bizarrer Gegensätze – stetes Echo auf die Polyphonie der seelischen Landschaften, gebildet aus den Hochs und Tiefs unseres Ensembles.
Die Hambana Sound Company ist ein Kammerorchester, das von Bernhard Göttert initiiert und entwickelt wurde, um in Zusammenarbeit mit Musikerinnen und Musikern aus der Schweiz, Zimbabwe, Angola, Russland und Namibia ein musikalisches Porträt von Namibia zu gestalten.
Während ihrer Tournee im Jahr 2001 gab die Hambana Sound Company Konzerte in vier verschiedenen Regionen Namibias, bei welchen sie gemeinsam mit lokalen Gruppen auftrat. Das so entstandene Programm, ist eine Mischung aus verschiedenen traditionellen Melodien und Tänzen, zeitgenössischen Gesängen und experimenteller Musik.
Mit:
Bernhard Göttert, Cello, Namibia/ Switzerland
Emmanuel Karumazondo, Mbira/ Milai/ Vocal/ African Drums, Zimbabwe
Fredy Studer, Drums/ Percussion, Switzerland
Dominic Lunenge, Mbira/ African Drums/ Dance, Namibia
Ermelinda Thataon, Vocal/ Dance, Namibia
Hans Hassler, Accordion/ Bass Clarinet, Switzerland
Jacky Pacheco, Vocal/ Dance, Angola
Paul Hatani Kisting, Trumpet/ Percussion, Namibia
Sharon van Rooi, Vocal/ Dance, Namibia
Jabulani Moyo, Clarinet/ Milai, Zimbabwe
Polina Loubnina, Flute/ Vocal, Russia
Vincent Mwemba, Silimba/ African Drums, Namibia
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SIGNERS KOFFER
1996 / EAN 4021308887540 / FSK 14
Regie: Peter Liechti
Buch: Peter Liechti
Schnitt: Dieter Gränicher
Produktion: Peter Liechti
Produktions-Land+Jahr: Schweiz, 1996
Musik: Knut Remond
Ton: Peter Guyer, Res Balzli, Ingrid Städeli
Künstlerische Aktionen und Objekte: Roman Signer
«Ich habe ein empfindliches Gehör - ja ich schäme mich geradezu für den Lärm, den eine Explosion verursacht.»
Roman Signer
SIGNERS KOFFER - eine Art Roadmovie entlang der magischen aufgeladenen «Landschaftsrillen» quer durch Europa. Von den Schweizer Alpen nach Ost-Polen, von Stromboli nach Island... ein breit angelegter Versuch zur idealen Reisegeschwindigkeit. Der Künstler Roman Signer markiert unsere Stationen mit seinem ganz persöhnlichen Instrumentarium; bestechend lapidare Eingriffe voll hintergründigem Humor.
Signers Koffer ist auch eine Reise durch seelische Zustände. Ein Seiltanz zwischen Schalk und Melancholie. Gefahr wird zum Stimulans der Sinne - auch die psychische Gefahr. Plötzliche Abstürze, jäh kippende Stimmungen prägen Rythmus und Klima des Films.
«Kammermusik» nennt Signer seine Aktionen mit Zündschnur und Rakete, «skulpturelle Kammermusik».
«Auf der Balance zwischen Schalk und Melancholie... Unterwegs mit dem Künstler Roman Signer - ein Versuch zur idealen Reisegeschwindigkeit.»
Angenommen, Ich wäre eingeladen, in einem Museum etwas zu machen …
"Nun weil ja viele Museen ziemlich langweilig sind, würde ich im Museum einfach schlafen. Ich wäre also nur nachts dort, abgeriegelt von Securitas Wächtern und ihren Wolfshunden. Über dem Bett wären ein Mikrofon und ein Verstärker angebracht, und vor dem Museum stünden riesige Lautsprecher. Während ich also drinnen schlafe und schnarche, wäre in der Stadt auf den Platz vor dem Museum ein schauriges Schnarchen zu hören. Tagsüber stünde einfach mein leeres Bett im Raum, am Abend käme ich dann wieder und würde darin schlafen, und so fort, während der ganzen Ausstellung.»
Roman Signer
«Ich habe schon wochenlang gearbeitet, und es hat nichts dabei herausgeschaut. Das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Ich liebe den Versuch, und der Versuch hat auch die Möglichkeit des Scheiterns in sich - eine grossartige Freiheit! Die Natur manifestiert sich auch wenns misslingt - es will halt so…»
Roman Signer
"Es gibt Dokumentarfilme über Sachverhalte und solche über Personen. Peter Liechti hatte es bei Signers Koffer mit einer Über-Person zu tun. Roman Signer liefert, in der Wahrnehmung von Liechti, einen der vergnüglichsten und schönsten Kino-Dokumentarfilme der 90er Jahre. Ein großartiges Bild eines großartigen Menschen, ein feelgood-movie der Sonderklasse. Man verlässt das Kino mit dem Wissen, dass es so wunderbare Künstler wie Roman Signer wirklich gibt. Hier sehe ich eine Parallele zur Arbeit von Ulrich Seidl. Auch Roman Signer stellt sich und seine Arbeit dar, arbeitet für die Kamera, arbeitet als Protagonist mit dem Regisseur. Da wird nicht so getan, als beobachte ein Verborgener das Tun eines Menschen, der nichts vom Filmteam weiß. Das überlassen Peter Liechti und Ulrich Seidl den Naturfilmern.
Heinrich Mis, Diagonale on Tour 2004
Unterwegs mit Roman Signer
von Peter Liechti
Von der Kunstkritik wurde Roman Signer öfters als «Maximalist der Bescheidenheit» charakterisiert. Er arbeitet mit denkbar schlichten Requisiten, die keinerlei gestalterischen (sehr wohl aber einen ästhetischen!) Anspruch haben und rein funktionell eingesetzt werden. In seinen Aktionen können wir miterleben, wie Roman Signer sich selbst, respektive seine Konstruktionen und Szenarien, elementaren natürlichen und physikalischen Kräften aussetzt und diese gezielt in den Entstehungsprozess miteinbezieht, um seiner «Skulptur» Gestalt zu verleihen. Nach langen, spannungsreichen Vorbereitungsphasen tritt das eigentliche Ereignis dann tatsächlich wie ein Blitzschlag ein grosse Erwartung vorher und eine noch grössere Sehnsucht, «es» wieder zu erleben, nachher…
Roman Signer hat sich nie irgendwelchen gängigen Strömungen angepasst, nie ist er einfach aktuellen Trends aufgesessen. Sein persönlicher Lebensstil wie seine Arbeit sind auffallend unmodisch, wenn auch durchaus zeitgemäss. In dieser ihm eigenen Zeitlosigkeit drückt sich seine grosse Eigenständigkeit aus, die einen umso klareren, unverstellteren Blick auf die aktuellen Zeichen der Zeit eröffnet.
In den scheinbar simplen Anordnungen seiner «Versuche» fungiert Roman Signer nur noch als Auslöser den Rest besorgt die Zeit und die Natur… Das bedeutet auch: Roman Signers Arbeit ist in hohem Masse Inszenierung, und zwar häufig auch filmische Inszenierung. Seit 15 Jahren dokumentiert er seine Versuche selber auf kurzen Super-8-Filmen: Bestechend einfache Filmchen voll Witz und Poesie, oft kaum langer als eine halbe Minute. Mit unseren eigenen filmischen Mitteln wollten wir nun das, was in diesen kleinen Dokumenten angelegt ist, in ein geografisch/kulturelles Umfeld hineinverlängern, das weit über den beschrankten Kunst-Kontext hinausreicht. Kommt hinzu, dass seine Auftritte und Aktionen ausgesprochen attraktive visuelle Ereignisse sind in ihrer gleichnishaften Annäherung menschlichen Schicksals an gewisse Naturphänomene. Seine Darbietungen sind aber niemals Show, sondern Schau im tieferen Wortsinn. Die vordergründig spektakulären Energiedemonstrationen zeigen bei näherer Betrachtung einen äusserst meditativen Charakter: Im Grunde immer wieder poetische Verweise auf die Vergänglichkeit.
Als Filmer sah ich mir zudem die Aufgabe gestellt, ein Werk, das sich in dieser bewundernswerten Konsequenz der materiallen Auswertung entzieht (auch auf dem Kunstmarkt, übrigens … ), immerhin fotografisch festzuhalten und ihm dadurch ein gewisses Überdauern zu sichern.
Die Sinnlichkeit und lapidare Anschaulichkeit einerseits und dieses ebenso unantastbare, fast religiöse Wesen andererseits war mir die grosse filmische Herausforderung an Signers Werk. Auf der gemeinsamen filmischen Reise hat Roman Signer gewissermassen die Route bestimmt; über diese Leitlinie improvisiert der Film.
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