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Release Deutschschweiz: On Stock___Genre: Comic___Code: PAL2___FSK: 12___Bildformat: 16:9___Tonformat: Dolby Digital 5.1/ 2.0___Sprachen: Deutsch / Französisch___Untertitel: Deutsch___Laufzeit: 92 Min.
Bonus: Making of / Geschnittene Szenen / Trailer 1 / Trailer 2
EAN_DT: 7640118760972___Art.Nr._DT: 1876097
Release Suisse Romande: On Stock___Genre: Comic___Code: PAL2___FSK: 14___Format d'image: 16:9___Audio: Dolby Digital 2.0
Langues: Français___Sous-Titres: -___Durée du film: 92 Min.
Bonus: Making Of / Scénes inèdites, Bande annonce #1 & #2
Durée du Bonus: 45 Min.
EAN_FR: 7640118760965___Art.Nr._FR: 1876096
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SYNOPSIS
Marjane versteht die Welt nicht mehr. Im Teheran der späten Siebziegerjahre verändert die islamische Revolution die ganze Gesellschaft - und auch Marjanes Leben. Das aufgeweckte Mädchen holt sich bei der scharfzüngigen Grossmutter Rat. Und debattiert nachts mit dem lieben Gott und Karl Marx.
Mit Errichtung der islamischen Republik beginnt die Zeit der «Revolutions-Kommissare», die Kleidung und Verhalten kontrollieren. Marjane muss nun einen Schleier tragen - dies tut aber ihren ebenso verspielten wie aufständischen Gedanken und Aktionen keinen Abbruch. Sie wächst heran, schwärmt für Bruce Lee, ABBA und Iron Maiden. Entsprechende Musikkassetten kauft sie heimlich auf dem Schwarzmarkt. Besorgt schicken die Eltern ihre Tochter nach Europa. Im fernen Wien schlittert Marjane ungebremst ins Teenagerleben, wird zum Punk und gerät in amouröse Verstrickungen...
Die im Iran geborene Marjane Satrapi hat ihr wechselvolles Leben zwischen zwei Kulturen in einem mehrbändigen Comic (erschienen in der Edition Moderne) festgehalten. Dieser wurde zum internationalen Bestseller und hat mehrere namhafte Preise gewonnen. In der Verfilmung werden die Qualitäten der Vorlage noch verstärkt: Die in ausdruckstarken Helldunkel-Kontrasten erzählte Geschichte erhält zusätzliche räumliche Tiefe. Bei aller Ernsthaftigkeit ist Marjane Satrapis Blick auf die eigene Geschichte erfrischend selbstironisch, voller Humor und berührend. Drama an den Originalschauplätzen inszenierte. 'Kaum ein Gedanke scheint mir angesichts der Weltlage aktueller.'
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FESTIVALS
International Filmfestival Cannes 2007
Gewinner PRIX JURY
Nomination GOLDENE PALME
Geht für Frankreich ins OSCAR® Rennen.
ACADEMY AWARD Nomination in der Kategorie » BESTER ANIMATIONSFILM
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LINKS
Offizielle Website
Trailer (französisch) 
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PRESSE
Züri Tipp 
Filmblog.ch 
NZZ 
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TEHERAN IST ÜBERALL von Daniel Binswanger / DAS MAGAZIN 2007.36
Marjane Satrapi erzählt im Zeichentrickfilm «Persepolis» eine tragische Geschichte, die wunderbar komisch ist. Ihre eigene.
Überall auf der Welt sind kleine Mädchen manchmal etwas grössenwahnsinnig und möchten gern die Welt neu erfinden. Zum Beispiel so, dass Grossmutter keine Rückenschmerzen mehr haben muss. Überall sind halbwüchsige Mädchen manchmal etwas anstrengend, hören pausenlos Hardrock oder Schnulzenpop und spielen Luftgitarre auf dem Tennisschläger. Marjane Satrapi war ein solches Mädchen, und mit feinem Witz und sicherem Strich erzählt sie ihre Kindheit und Jugend im Teheran der Siebziger- und Achtzigerjahre. Ein Pubertätsdrama, das zugleich exotisch und völlig vertraut wirkt.
Gemeinsam mit Mitautor Vincent Paronnaud hat Satrapi ein neues Genre erfunden, den autobiografischen Zeichentrickfilm. So treffsicher schildert sie das Familienleben, dass sich kaum jemand der Identifikation mit den erzählten Streichen, Katastrophen und Triumphen entziehen kann. So präzise lotet Satrapis Saga die Dramen des Heranwachsens aus, dass es wohl kaum jemanden gibt, der nicht ein Stück weit seine eigenen Adoleszenzkrisen in dem Zeichentrickfilm wieder erkennen würde. Doch daneben schildert die Autorin Dinge, die niemand im hiesigen Publikum aus eigener Erfahrung kennt: die Revolution der Mullahs, den mörderischen Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, die Alltagsdiktatur des islamistischen Regimes. Sie schildert Folter, Verfolgung und Exekutionen. Im Grund dürfte uns wenig fremder sein als Satrapis Lebensgeschichte. Und trotzdem kann man sich nur schwer dem Gefühl entziehen, dass diese Geschichte auch die unsere ist.
Schon mit der Veröffentlichung des ersten Bandes ihrer Comic-Tetralogie «Persepolis» hat Satrapi im Jahr 2000 internationales Aufsehen erregt. Seither sind sechs Alben erschienen und wurden auch auf Deutsch übersetzt. Die Zeichentrickversion von «Persepolis», die jetzt in die Deutschschweizer Kinos kommt, hat nicht nur in Cannes den Preis der Kritik gewonnen, sondern ist in Frankreich auch ein riesiger Publikumserfolg geworden. In der Kinofassung wird die eigenartige Vertrautheit des exotischen Stoffes durch die Stimmen der Figuren noch verstärkt. Die drei Hauptrollen sprechen Danielle Darrieux, Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni. Das Timbre dieser drei Frauenstimmen lässt ein halbes Jahrhundert französischer Kinogeschichte mitschwingen, doch hier gehören sie Tochter, Mutter und Grossmutter einer Teheraner Familie. Auch für die amerikanische Fassung werden sich grosse Stars zur Verfügung stellen, unter anderem Gena Rowlands, Sean Penn und Iggy Pop.
«Letztlich sind es nur die ganz persönlichen Erlebnisse, die auf ein universelles Interesse stossen», sagt die Autorin und zieht an ihrer Zigarette. Ich treffe sie in einem Genfer Hotel, aus Anlass des Kinostarts von «Persepolis» in der Westschweiz. Das Gespräch findet in einer jener sterilen Suiten statt, wie sie jedes beliebige Fünfsternehotel an jedem beliebigen Ort dieser Welt bietet, ein angenehmer, aber anonymer Raum. Das passt zur Lebenssituation der Exil-Iranerin, die nun schon seit dreizehn Jahren in Frankreich lebt, die sich so höchst erfolgreich im Westen ihren Weg gebahnt hat und die doch in jedem ihrer Werke die versunkene Welt ihrer Teheraner Kindheit heraufbeschwört. Satrapi hat sich eingerichtet in einer Transitzone, in einer Exil- und Zwischenwelt.
SO IST ES GEWESEN
Sie steckt Zigarette um Zigarette an, giesst Tee nach für sich selber und den Gast. Sie redet in atemberaubendem Tempo und mit leicht singendem Akzent über den Reichtum der persischen Kultur, über den Terror des Mullah-Regimes, über die Verschlimmerung der Lage und über die Zukunft, die besser sein wird. Manchmal ergreift ein Zornesschütteln ihre dunkle Mähne, und manchmal funkeln ihre grossen Augen, man weiss nicht, ob vor Wut oder vor Melancholie. Schliesslich sagt sie: «Ich interessiere mich nicht für politische Kunst, für Werke mit einer Botschaft, wo man Missstände denunziert, Wimpel schwenkt, Ideale kolportiert. Was ich erzähle, die iranische Revolution, den Krieg, die Unterdrückung durch die Mullahs – darüber wusste die Welt schon vorher Bescheid. Ich mache keine Enthüllungen. Wichtig ist für mich die Erinnerung, die präzise Schilderung, wie es gewesen ist. Ich stelle keine politischen oder moralischen Forderungen auf, es sei denn die allergrundsätzlichsten. Aber dass Krieg und Unterdrückung eine schreckliche Sache sind, das wissen die Leute auch, ohne dass sie meinen Film gesehen haben.»
Und so erzählt Satrapi in «Persepolis» die grossen Ereignisse der Weltgeschichte aus der Perspektive des zehnjährigen Mädchens, das sie beim Sturz des Schahs gewesen ist. Sie schildert zum Beispiel, wie stolz es sie machte, als damals ihr Onkel Anusch aus neunjähriger Haft freikam. Er schenkt Marjane einen kleinen Schwan aus Brotteig, den er in seiner Zelle modelliert hat. Er redet über schwere Folterungen. Marjane kann jetzt mit ihrem Heldenonkel angeben auf dem Spielplatz, und sie spielt so eifrig «foltern» mit den anderen Kindern, dass ihr die entsetzte Mutter Hausarrest verpasst. Doch dann wird Onkel Anusch, der wie alle Kommunisten auch nach der siegreichen islamischen Revolution schnell wieder als Regimegegner gilt, verhaftet. Marjane besucht ihn im Gefängnis, und er schenkt ihr einen zweiten Schwan aus Brotteig. Am nächsten Tag wird er exekutiert.
Aus solchen teils tieftraurigen, teils amüsanten Anekdoten setzt sich die Herkunftsgeschichte von Marjane Satrapi zusammen. Ihr Erzähluniversum erinnert an die Romane von Exilschriftstellern, die mit ihren Geschichten eine verlorene Welt heraufbeschwören. Die Zugänglichkeit ihres Films wird jedoch wesentlich durch die Comic-Zeichnung gefördert. Eine Spielfilmadaption von «Persepolis» wäre sofort in einem Meer aus Tschadors und orientalischer Folklore untergegangen. Der Zeichentrickfilm wirkt universalisierend. Nicht nur weil Satrapis leichtfüssiger Strich auf verfremdende Details verzichten kann, sondern weil die Mischung von Naivität und Realismus, die den Comic charakterisiert, das Medium besonders zugänglich macht. Wenn etwas den Stil der iranischen Zeichnerin bestimmt, dann die Kunst der Ellipse, die Disziplin der Weglassung. Bei Kriegs- und Gewaltszenen beschleunigt sich der Bildrhythmus, der Strich wird flüchtiger, der Text verstummt ganz. Satrapi benutzt das Medium nicht, um dem Schrecken frontal ins Gesicht zu sehen. Doch gerade die Erzählweise ohne Schockeffekte ist von unwiderstehlicher Dichte und Dramatik. Das meiste lassen die Zeichnungen nicht sehen. Sie suggerieren jedoch alles.
Vielleicht ist der Comic beziehungsweise der Zeichentrickfilm eines der neuen Leitmedien der zwischenkulturellen Verständigung. Deutlich ist die Cartoonistin von Art Spiegelman und seinen weltberühmten «Maus»-Comics beeinflusst, in denen der amerikanische Zeichner die Judenverfolgung und die KZ-Erfahrungen seines polnischen Vaters erzählt. Doch es gibt auch weniger bekannte Beispiele der erzählerischen Macht der Bildgeschichte. An der diesjährigen Biennale in Venedig etwa wird ein Album der beiden afrikanischen Autoren Eyoum Ngangué und Faustin Titi gezeigt. Es erzählt in ganz klassischer Comic-Manier die Abenteuer eines jungen Mannes aus Schwarzafrika, der versucht, ins gelobte Land Europa zu reisen, der aber nach dem Durchqueren der Sahara und dem Bestehen zahlreicher Abenteuer im marokkanischen Tanger hängen bleibt. Die unsentimental nüchterne Bilderzählung gehört zu den überzeugendsten «interkulturellen» Werken der Biennale.
SO NAH, SO SCHRILL
Satrapis Fall ist natürlich anders gelagert, denn was die gebildete Teheraner Oberschicht besonders auszeichnet, ist ihre tiefe Affinität zur westlichen Kultur. Als junges Mädchen ist Marjane auf das Lycée Français in Teheran gegangen. Von 1984 bis 1988 hat sie dann vier Jahre in Wien verbracht, wo sie weiterhin eine französische Schule besuchte und das Bac vorbereitet hat. Ihre Eltern wollten sie vor dem Bombenterror in Sicherheit bringen, mit dem die irakische Luftwaffe Teheran während der Kriegsjahre überzog.
Zudem wollten sie, dass ihre Tochter jenseits der immer drückender werdenden Drangsalierungen durch die islamische Sittenpolizei heranwachsen könne.
So verlebt Marjane ihre Pubertätsjahre – die erste Liebe und den ersten Joint – in Wien, das zum Schauplatz der amüsantesten Sequenzen ihres Films wird. Wenn sich «Persepolis» durch einen gewissen burlesken Exotismus auszeichnet, dann hauptsächlich in der Schilderung der Wiener Jahre. Das liegt natürlich an dem besonderen Blick, den die junge Frau auf die österreichische Zivilisation wirft, auf erste Erfahrungen mit Sachertorten, einem katholischen Mädchenpensionat und Ausflügen in die Wiener Punk-Rock-Szene. Auch heute noch würde Satrapi jedoch nicht bestreiten, dass die Österreicher in der Tat ein sehr exotisches Völkchen sind.
Sie schaut mit einem Aussenblick auf die westliche Alltagskultur, obwohl sie diese liebt und bewundert, obwohl sie deren Codes perfekt beherrscht. Als Teenager hat sie sich Kim-Wilde-Kassetten auf dem Schwarzmarkt gekauft, und wegen eines Michael-Jackson-Stickers wurde sie einmal fast von den Revolutionswächterinnen verhaftet. Es entsteht der Eindruck, als habe sie eine beinahe «westliche» Kindheit erlebt, nur dass das alles in schrillere Farben getaucht ist, dass jeder Konflikt existenzieller und alle Begeisterung echter wirkt. Vielleicht muss man in Teheran aufgewachsen sein, um die Jugendkultur der Achtziger so amüsant wieder aufleben lassen zu können, wie das in «Persepolis» geschieht.
SCHLOTENDER TOD
Die nächste Zigarette. «Zigaretten sind die Nahrung der Seele», sagt Satrapi halb entschuldigend und lacht. Das hat sie sogar einmal in der «New York Times» geschrieben, wo sie illustrierte Kolumnen publiziert und gern den Mainstream gegen den Strich bürstet. So hat sie dort auch darauf hingewiesen, dass nicht alle Franzosen feige Defätisten und nicht alle Iraner fanatisierte Bartträger sind, und dass sie Amerika für ein grossartiges Land hält, obwohl sie mit George W. Bush und seiner evangelisch-fundamentalistischen Wählerbasis rein gar nichts gemein habe.
Doch wie so vieles in Satrapis persischem Fabulier-Universum stammt auch die mystische Verfallenheit an die Zigarette aus dem Überlieferungsschatz ihrer Familiengeschichte. Jedenfalls erzählt sie in ihrem letzten Album «Huhn mit Pflaumen» vom Tod ihrer Urgrossmutter, die eine im ganzen Iran berühmte Sufi-Meisterin gewesen ist. Eines Tages ruft die Urgrossmutter ihren Lieblingssohn zu sich und verlangt von ihm, damit aufzuhören, für ihr Leben und ihre Gesundheit zu beten. Sie wolle nämlich sterben, sie habe genug, er aber sei egoistisch und lasse sie nicht gehen. Der Lieblingssohn – ein Grossonkel von Marjane – hört also mit den Gebeten auf und kauft auf Befehl seiner Mutter, die nur noch ihrer Seele, aber nicht mehr ihrem Körper Nahrung geben will, dreissig Packungen Zigaretten. Die alte Dame schliesst sich in ihrem Zimmer ein, aus dem während sechs Tagen nur noch Zigarettenrauch hervordringt, bis schliesslich auch dieses Lebenszeichen erlischt.
Zu ihrem Begräbnis findet sich die ganze Derwisch-Gemeinde Teherans ein. Und – so geht die Überlieferung – ein wissenschaftlich nicht erklärbarer Dunst soll die Leiche bis zu ihrer Versenkung im Erdreich umwickelt haben. Manchmal fördert Rauchen die Gesundheit.
Die überragende Figur in Satrapis Erzählwelt, und wohl auch in ihrer Biografie, ist jedoch nicht die Derwisch-Urgrossmutter, sondern ihre Grossmutter. Die resolute Dame, die drei Ehen hinter sich hat, bringt Marjane nicht nur bei, dass orientalische Frauen mit grossen dunklen Augen lernen müssen, wie man diese leicht zusammenkneift, um den Schlafzimmerblick hinzukriegen, mit dem man den Männern gefällt. Sie erteilt der jungen Marjane auch die schlichten Lektionen, die zu ihrem moralischen Kompass werden: dass man auch unter einer Diktatur immer die Wahl hat, sich anständig zu verhalten oder eben nicht, dass sie niemals vergessen darf, woher sie kommt und wer sie ist. Für den Umgang mit Teherans patriarchalischer Männerwelt besitzt die Grossmutter einen nicht weniger reichen Erfahrungsschatz, den sie ihrer Enkelin bei Tratschrunden um den Samowar vermacht.
Satrapis Comic-Band «Stickereien» ist eine Hymne auf jenen deftigen Sarkasmus, mit dem die Oma und ihre Freundinnen den Jungfräulichkeitswahn der iranischen Gesellschaft bedachten. Man lernt dabei einiges über die Techniken, die Jungfräulichkeit bloss vorzuspielen, was leider auch zu Pannen führen kann. So riet die Grossmutter einer verzweifelten Freundin einmal, sich in der Hochzeitsnacht mit einer Rasierklinge einen kleinen Schnitt beizubringen, um das unerlässliche Jungfrauenblut doch noch produzieren zu können. Die ungeschickte Braut ritzt dann aber nicht das eigene, sondern das Geschlecht ihres Frischvermählten – sehr zur Erheiterung der Frauenrunde um den Samowar.
EIN PAAR 1000 UND 1 PRINZESSIN
Marjane ist anders erzogen worden. In ihrer «verwestlichten» Familie zählen die Werte von Bildung und Selbstständigkeit. Nach dem Wiener Zwischenspiel hat sie die Teheraner Kunstakademie besucht und liess sich danach in Frankreich zur Grafikerin ausbilden. Der Frankreichaufenthalt sollte zum definitiven Exil werden. Als Marjane den Iran 1994 zum zweiten Mal verlässt, sagt ihre Mutter: «Du kannst hier heute nicht so leben, wie du leben sollst. Ich verbiete dir zurückzukommen.» Sie hielt sich daran.
So ist Satrapi im Westen angekommen – obwohl sie tief in der persischen Kultur verwurzelt ist. Eigentlich ist sie sogar von königlichem Geblüt, eine Urenkelin des drittletzten Schahs. Ihr Grossvater gehörte zum Herrscherhaus, bekehrte sich aber zum Kommunismus und wurde unter der Herrschaft der Pahlewis gnadenlos verfolgt. Er verlor seine Besitztümer und Ländereien und verbrachte Jahre in Gefangenschaft. «Im Iran war nur die Oberschicht gebildet und für fortschrittliche Ideen empfänglich», sagt Satrapi. «In den Zwanzigerjahren war der Fortschritt eben der Kommunismus.»
So kommt es, dass Satrapi zwar dem Königshaus entstammt, aber in den Lebensverhältnissen der Teheraner Mittelschicht gross geworden ist. «Das mit der persischen Prinzessin, das spiele ich den Medien gegenüber lieber etwas herunter», meint sie. «Mein Urgrossvater Muhammad Ali Schah hatte hundert Ehefrauen. Sein Vater hatte neunhundert Ehefrauen. Da können sie sich ausrechnen, wie gross die Nachkommenschaft ist und wie viel tausend ‹Prinzessinnen› der Iran heute vorzuweisen hat. Die Leute stellen sich darunter immer ein orientalisches Fabelwesen aus ‹Tausendundeiner Nacht› vor. Und dann treffen sie mich. Da muss man Enttäuschungen vorbeugen.» Sie lächelt mit leiser Koketterie.
RÜLPSENDE GÖTTER
Obwohl ihre Familie einen so hohen Tribut gezahlt hat an die Ideale der Weltrevolution, steht Satrapi auch dem Kommunismus mit gemessener Distanz gegenüber. «Ich glaube nicht so ganz an Ideen, für die man zu sterben bereit sein soll. Ich bin Helden gegenüber immer ein bisschen misstrauisch, deshalb bemühe ich mich, auch die Figuren in meinem Film als Menschen mit all ihren Macken und nicht als Helden erscheinen zu lassen. Es gab schon so viele Revolutionen in der Menschheitsgeschichte. Die Erde müsste ein Paradies sein, wenn das alles wirklich zu etwas nütze wäre.» Es ist Zeit für eine neue Zigarette.
Schliesslich, meint Marjane Satrapi, sei die produktivste Kulturepoche der Menschheitsgeschichte die griechische Antike gewesen, was eben auch daran liege, dass die Griechen so menschliche, so unperfekte Götter gehabt hätten. Götter, die furzen und rülpsen und bei Gelegenheit auch eifersüchtig und jähzornig sind. Dieser Olymp habe die Menschen ein wenig mit sich selber versöhnt. Satrapis Comics verströmen in der Tat eine Art homerische Nachsicht. Trotz aller Tragik ist «Persepolis» eine Comédie Humaine und kein Heldenepos.
«Der Iran war immer komplexer, als die islamistischen Mullahs der Welt glauben machen wollen», sagt Satrapi. Die persische Kultur sei wie eine archäologische Ausgrabungsstätte. Immer stosse man auf eine noch tiefere Schicht. Selbst der Islam ist in dem Land, das vor der arabischen Eroberung jahrhundertelang vom zoroastrischen Monotheismus beherrscht wurde, im Grund nur ein Spätphänomen.
«Der Zoroastrismus, der predigt, dass in dieser Welt jeder guten eine böse Kraft entgegensteht, ist bis heute wichtig für den Iran. Alles ist für den Perser zwiegespalten. Wenn ich als kleines Mädchen eine Dummheit gemacht habe, dann sagte meine Mutter, das war nicht die gute, das war die böse Marjane. Das ging so weit, dass ich immer das Klofenster zumachte, damit nicht die böse Marjane reinkommen und Unfug anstellen konnte, während die gute Marjane beschäftigt war.» Perser hätten deshalb eine leichte Neigung zur Schizophrenie, aber dafür seien sie frei von schlechtem Gewissen. Während ihrer Wiener Zeit wollte Satrapi eine Psychoanalyse machen, brach die Übung jedoch schnell wieder ab. Schuldkomplexe waren nicht ihr Problem. Dafür habe sie zu viel persischen Zarathustra-Kult und zu wenig jüdisch-christliche Überlieferung in den Knochen, meint sie.
Je länger ich mit Satrapi diskutiere, desto dringlicher stellen sich die Fragen, die immer dann auftauchen, wenn man mit iranischen Intellektuellen ins Gespräch kommt. Wie kann es sein, dass ein Land, das so feinsinnige Geister hervorbringt, seit fast dreissig Jahren von einer bleiernen Diktatur beherrscht wird? Weshalb verschärft sich die Lage, obwohl wenigstens Teile der Teheraner Eliten dem Westen gegenüber doch so aufgeschlossen sind? Warum erweist sich die Hoffnung auf grundlegende Reformen bisher immer wieder als vergeblich?
DER MULLAH IST EIN MACHO
«Der Schlüssel zu allem ist die patriarchalische Kultur», sagt Satrapi. «Wenn die Väter uneingeschränkt über ihre Familien herrschen, haben die Mullahs einfaches Spiel, als uneingeschränkte Herrscher über die Nation akzeptiert zu werden.» Satrapi ist überzeugt, dass der religiöse Fundamentalismus in seiner Essenz nichts anderes als ein Machismo sei. Das habe nichts damit zu tun damit, dass Frauen in irgendeiner Weise bessere Menschen seien. Doch wo das Verhältnis der Geschlechter ungleich sei, da werde immer der Autoritarismus herrschen.
Die islamistische Revolution hatte im Iran besonders einfaches Spiel, weil die Emanzipation und die Verwestlichung, die unter der Herrschaft der Pahlewis eingeleitet wurde, ein Oberflächenphänomen geblieben ist. Zwar seien zwischen den Dreissigerjahren und der islamistischen Revolution von 1979 grosse Anstrengungen unternommen worden, um die Rolle der Frau aufzuwerten, meint Satrapi, aber im Grund hätten sich die Mentalitäten nicht geändert: «Nirgendwo auf der Welt sind je kürzere Miniröcke getragen worden als im Teheran der Siebzigerjahre. Man glaubte, die Frauen seien emanzipiert, weil sie freizügig die Beine zeigten. Zugleich blieb es aber unerlässlich für iranische Mädchen, bis zur Ehe Jungfrau zu bleiben, auch in der sogenannt aufgeklärten Oberschicht. Der Bodensatz der Kultur blieb völlig patriarchalisch. Als Khomeini an die Macht kam, konnte er in sechs Monaten den Schleierzwang einführen, und der Widerstand war erstaunlich gering. Unsere Mütter sind damals auf die Strasse gegangen, die Ehemänner eher weniger. Der Minirock erfüllt nur dann seine emanzipatorische Funktion, wenn er mit einer sexuellen Revolution einhergeht, so, wie das in der westlichen Welt in den Sechzigerjahren eben der Fall gewesen ist. Im Iran war das leider eine andere Geschichte.»
ES IST SCHLIMM GENUG
Satrapi ist dennoch überzeugt, dass die Zeit für den Iran spielt. Zwar darf man die Beharrungskräfte der Diktatur nicht unterschätzen. In «Persepolis» wird sehr präzis geschildert, wie die permanente Drangsalierung durch die Revolutionswächter den Alltag erschwert und die Leute in eine unpolitische Apathie abdrängt, in der sie nur noch ihre prekären privaten Freiräume verteidigen. Aber der kulturelle Wandel, der schliesslich zu einer Öffnung des Iran führen muss, davon ist Satrapi überzeugt, kann nicht mehr aufgehalten werden. 65 Prozent der Studenten an den Universitäten seien heute weiblich. Die gesellschaftlichen Kräfte müssen sich verschieben in einem Land, in dem die Frauen immer häufiger besser ausgebildet sind als ihre Väter, Brüder und Männer. «Ich glaube nicht mehr an sehr viele politische Ideale, es sei denn an die Macht der Bildung», sagt Satrapi. Das Problem ist nur, dass der gesellschaftliche Wandel sehr viel Zeit braucht, und dass der Iran diese Zeit vielleicht nicht hat. Besonders wenn sich das gegenwärtige Regime weiterhin radikalisieren sollte. Trotzdem ist Satrapi gegen einen Krieg der USA gegen den Iran. «Militärischer Druck von aussen würde die Dinge nur schlimmer machen», meint sie. «Dass sich am Persischen Golf so viele weltpolitische Interessen kreuzen, hat die Dinge im Iran immer nur schlimmer und nicht besser gemacht.»
Ein offizielles iranisches Filminstitut hat dieses Frühjahr gegen die Selektion von «Persepolis» in Cannes protestiert. Die Autorin ist seit 1998 nie mehr in den Iran gereist. «Man soll dieses Regime nicht schlimmer machen, als es ist», meint sie, «das hat es weiss Gott nicht nötig. Ich bin nie persönlich irgendwelchen Repressalien ausgesetzt gewesen, aber ich wage mich trotzdem nicht mehr in den Iran. Das Land ist kein Rechtsstaat. Man weiss einfach nie, was passieren könnte.» Ihre Eltern leben jedoch bis heute in Teheran. Sie hatten es nie über sich gebracht, alles hinter sich zu lassen.
So muss sich Satrapi in ihrem Film, der auf bestem Weg ist, ein Welterfolg zu werden, eben damit begnügen, den Iran mit nichts als ihrem versponnenen und komischen, nostalgischen und grausamen Anektdotenschatz zu zelebrieren. Eines Tages wird die Zukunft besser sein, aber die Zukunft dauert lang. Satrapi steckt sich eine Zigarette an. |