|

DVD-DATAS
Release: On Stock___Genre: Drama___Code: PAL2___FSK: 16___Bildformat: 16:9___Tonformat: Dolby Stereo 5.1, 2.0
Sprachen: Französisch / Italienisch___Untertitel: Deutsch / Englisch___Laufzeit: 89 Min.
EAN_DT/FR: 7640118761443___Art.Nr.: 1876144
_________________________

SYNOPSIS
Hamid, ein 40jähriger Algerier, der in Brüssel lebt, fühlt sich von der Polizei beschattet : er arbeitet als Kurier in einem illegalen Netzwerk, das im Verdacht steht, Terrorakte zu finanzieren.
Als er einen Anruf von seinem Bruder Louis erhält, der getrennt von ihm aufgewachsen ist und den er 35 Jahre lang nicht mehr gesehen hat, vermutet er die Polizei hinter dem Anruf.
Er reist dennoch zu Louis in die Schweiz, weil er hofft, seine Mutter zu treffen ; doch die Mutter lebt nicht mehr. Als Hamid dies erfährt, will er nach Brüssel zurück, aber die beiden geraten in eine Polizeikontrolle und Hamid wird verhört. Er soll Auskunft geben über das Netzwerk und über seine Arbeit als Kurier, doch er weigert sich, wird weggesperrt und kommt erst anderntags gegen Kaution wieder frei.
Er weiss jetzt, dass die Polizei tatsächlich hinter ihm her ist, aber viel lieber wüsste er, welche Rolle Louis, der die Kaution geleistet hat, in der Sache spielt. Denn Hamid ist dank der Kaution zwar frei, aber er darf die Schweiz nicht verlassen und ist seinem Bruder ausgeliefert.
Dieser will nicht nur wissen, warum Hamid verhaftet wurde, sondern auch, warum es damals zur Trennung kam, wer der Vater war und warum die Familie zersplitterte.
Die Begegnung der beiden wird zu einem Kampf um Nähe und Distanz, überschattet von Misstrauen und Rivalität. Mit unterschiedlichen Waffen kämpfen die beiden auch um Isa, die Freundin von Louis, die mit Louis immer weniger anzufangen weiss und sich von Hamid angezogen fühlt.
Es braucht diesen schwierigen Kampf über mehrere Runden, damit die beiden Brüder Farbe bekennen und sich öffnen, damit sie sich – ganz am Ende – einlassen können aufeinander. Denn obschon sie in unterschiedlichen Kulturen aufwachsen sind, sind sie im Grunde zwei Hälften eines Ganzen.
_________________________

FESTIVALS
Prix d'interprétation masculine pour Abel Jafri et Kader Boukhanef, Motivation du Jury du Festival du Film d'Amiens
Motivation du jury du festival d'Amiens:
"Intenses, sobres et pourtant très dramatiques, ces deux acteurs nous font croire aux retrouvailles de deux frères, séparés pourtant depuis trente ans, et créent, malgré les physiques et les vies différentes (mais le sont-elles tant que ça ?) une complicité qui nous touche infiniment."
«Intensiv, nüchtern und zugleich sehr dramatisch lassen uns diese beiden Darsteller an die Wiedervereinigung der beiden Brüder glauben, nachdem sie dreissig Jahre lang getrennt waren, und sie lassen - trotz ihres unterschiedlichen Äusseren und ihrer unterschiedlichen Leben - eine Verbundenheit entstehen, die uns unendlich berührt.»
«Best Feature» at GOTHAM SCREEN FILM FEST (New York) 2008
Festival des Films du Monde, Montréal, section „Regard sur les cinémas du monde“, Septembre 2007
Festival du Film d'Amiens, compétition (F) 2007
Panafrican Film Festival, Rome (Italy), 2007
Imola Film Festival, Imola (Italy), 2007, intern. competition
Festival international du Film d'Amour, Mons (Belgium) 2008, European competition
Filmfestival Vancouver, Rendez-vous du cinéma québécois et francophone (Canada) 2008
Newport Beach Film Festival, California (USA) 2008, int. competition
Shanghai Int. Film Festival : section Panorama, June 2008
Filmfest Muenchen, (Germany), Juni 2008
14 Festival International du Cinéma d’auteur de Rabat (Maroc), juin 2008
Festival "Paysages de Cinéastes" (France) 2008
«Incontri Cinematografici Italo-Svizzeri», Stresa (Italy) 2008
FIlmfestival Locarno, section "Appellations suisse" (CH) 2008
24th Warsaw International Film Festival (Poland) 2008: section Discoveries
25ème Festival International du Film Francophone de Tübingen-Stuttgart (Germany), 2008
32nd Cairo international Film Festival (Egypt) 2008 : section Festival of Festivals
9ème Festival du Monde Arabe de Montréal (Canada) 2008
GOTHAM SCREEN FILM FEST (USA) 2008
Festival Max Ophüls-Preis: in der Reihe "Saarbrücker Premieren" (D) 2009
Festival de Francophonie in Washington D.C. (USA) 2009
Festival international de Uruguay, Montevideo 2009 : competition
Festival du film francophone in Wien (A), 2009
_________________________

MEDIAQUOTES
«Dieser Film, mit bescheidenem Budget hergestellt, besticht durch die grossartige Leistung der Schauspieler Abel Jafri und Kader Boukhanef. Mit selten gesehener Glaubwürdigkeit interpretieren sie in diesem intensiven und dramatischen Thriller zwei Brüder, die sich gegenseitig belauern, misstrauen und attakieren. Die Brüderlichkeit, der Islam und die Integration, Frauen, die auf Männer warten, die nicht zurückkehren werden, all das fängt Rolando Colla meisterhaft und mit einer schönen Menschlichkeit ein. "L'autre moitié" ist einer der stärksten Filme der letzten Monate.» PARISCOPE, Arno Gaillard
«"L’autre moitié" erneuert auf intelligente Art das Genre, getragen von einem brillanten Drehbuch und einer hochsensiblen schauspielerischen Leistung. Eine echte Überraschung.» CINELIVE, Ines Mazzacurati
«Vor der grandiosen Juralandschaft evoziert der Filmemacher – gekonnt und ohne Blauäugigkeit auch mit Mitteln des
Thrillers – ein Klima des Misstrauens und der Paranoia, das sehr treffend die Problematik rund um die Integration
abbildet.» Vincent Adatte, L'EXPRESS
«Ein Thriller, der seinem Genre alle Ehre macht, intelligent, sehr gut dokumentiert und hervorragend interpretiert.»
Mathieu Loewer, LE COURRIER
«Ein exzellenter Film! Und überdies: Die Musik ist ganz wunderbar.» RADIO VILLE-MARIE, Québec
«Colla fängt unsere Welt in einem eindrücklichen Kammerspiel ein. Der Film ist eine Parabel dessen, was uns Menschen verbindet.» Tibor De Viragh, Der Landbote
«Der Verzicht auf klingende Starnamen verpasst dieser topaktuellen Geschichte zusätzliche Authentizität.» 20 minuten
«Der Film verlässt sein Thema nie. Und er verliert auf keinem Umweg den roten Faden. « L’autre moitié » handelt sehr präzis von den Risiken einer Illusion.» Christoph Schneider, Tages Anzeiger
«Colla ist eine stimmungsvolle Geschichte gelungen, die durch eine in nebligen Grau-Grün-Tönen gemalte Bildsprache wirkt.» Alexandra Stäheli, NZZ
«Colla's Film stellt eindringlich die Frage nach der Identität von Menschen, die in verschiedenen Kulturen aufgewachsen sind.» cineman.ch
«Die dichte Geschichte im Zwielicht hält dich gefangen, kein Gedanke mehr an Fussball. Collas Film ist stärker, 90 Minuten lang.» Daniel Suter, Tages Anzeiger
Die beiden Hauptdarsteller sind hervorragend. Und das nicht etwa, indem sie wuchtig und effektheischend chargieren, sondern schlicht dadurch, dass sie stets ganz da sind. Hinter ihren traurig, wütend, sehnsuchtsvoll, wehmütig, reuig oder zärtlich, leuchtenden, funkelnden und blitzenden Augen, verbergen sich all jene Geschichen, die L’AUTRE MOITIE andeutet, ohne sie zu Ende zu erzählen und – ob der natürlichen Leinwandpräsenz seiner Protagonisten – auch ohne sie zu Ende erzählen zu müssen.
Im Wesentlichen ist der Film intensiv gespieltes Charakterkino. Stefan Volk, FILMBULLETIN
« Rolando Colla ist kein Melodramatiker. Er hält seine Figuren kitschrein. Mit einer kargen Lakonie, der die karge schmutzig verschneite Juragegend entspricht, erzählt er eben nicht vom Glück, ganz zu werden, sondern vom Problem, dass so eine Wiedervereinigungsoperation an der offenen Seele womöglich mehr schmerzt, als die Narben einer Trennung. Hamid und Louis, ungleich-gleiche Brüder, gelangen nicht redend zur Harmonie, sondern aggressiv, und oft sprachlos, erst einmal zu einer grösseren Gegensätzlichkeit als je zuvor. Darin quält sie dann umso schmerzhafter die unbewusste Nostalgie nach einer gemeinsamen Kugelmenschlichkeit.
Der Film verlässt sein Thema nie: den Wunsch nach Harmonie mit sich selbst, die Disharmonien der Wirklichkeit und die Frage nach den richtigen Loyalitäten. Und er verliert auf keinem Umweg den roten Faden dieser brüderlichen Auseinandersetzung, in der zum Versuch, sich als eine Einheit zu lieben, der Verrat der einen Hälfte an der anderen gehört. « L’autre moitié » handelt sehr präzis von den Risiken einer Illusion. Das Ende ist optimistisch und bleibt tragisch und offen. » Christoph Schneider, Tages Anzeiger
« Rolando Colla fängt mit dem Film „L’autre moitié“ unsere Welt in einem eindrücklichen Kammerspiel ein. Sein neuer Film ist Thriller, Polit-, Psycho- und Melodrama in einem, vor allem aber eine Parabel dessen, was uns Menschen verbindet. Dieser Genremix zeichnete auch Fatih Akins „Auf der anderen Seite“ aus und scheint unvermeidlich, wenn die Figuren durch ihr Schicksal in den Schnittpunkt verschiedener Existenzsphären geraten. Das ist bei Flüchtlingen wie Hamid immer der Fall. Ihre persönliche Geschichte ist von übermächtigen politischen und ökonomischen Gegebenheiten geprägt, die meist schon die Biografie der Eltern bestimmt hat.
Derart in kollektive Prozesse eingebunden, fällt kulturellen Grenzgängern die Emanzipation im aufgeklärten Sinn schwer. Darauf weist indirekt bereits der Titel, „L’autre moitié“, hin, der ein alternatives Verständnis von Selbstfindung signalisiert. Eine Hälfte braucht die andere, um ein Ganzes zu sein, und Individualität im eigentlichen Sinn, als Unteilbarkeit, zu erfahren.
Hamid und Louis repräsentieren diese Hälften, gegensätzlich und komplementär bis in kleinste Einzelheiten hinein. Vor allem aber teilen sie die Erfahrung, früh von einem Elternteil und Geschwister getrennt worden zu sein. Verzweiflung und Eifersucht sind die Folge und stellen sich der Versöhnung entgegen. Darum kann, so Colla, die Annäherung nur als Kampf erfolgen. Im Ringen miteinander – sei es in fahler Nacht auf dem Acker, sei es um die Geliebte – entlädt sich aufgestaute Wut, nimmt das Phantombild des anderen greifbare Gestalt an und wird eine schmerzliche Begegnung möglich. Das tönt nicht im Entferntesten utopisch und ist doch ein hoffnungsvoller Kontrapunkt zur berechtigten Klage über Entwurzelung und „Zusammenprall der Kulturen“. Analog kontrastiert die dichte motivische Komposition der Geschichte mit den schmucklosen, dokumentarisch anmutenden Bildern von Kameramann Peter Indergand – als wären auch Poesie und soziale Wirklichkeit zwei Hälften, die sich suchen. Am Zuschauer liegt es, sie zusammenzuführen.» Tibor De Viragh, Der Landbote
Das engagierte Kino von Rolando Colla findet mit der Fertigstellung von „L’autre moitié“ seine logische Folge, die hoffentlich so schnell noch nicht abbricht.
Seine Geschichte für diesen Film ist zuletzt kaum mit den Attributen „gut“ und „böse“ zu erfassen. Colla fordert vom Publikum letztlich schon eine Art Stellungnahme, zwingt es aber in keiner Weise, seine Sicht der Dinge zu übernehmen. Das ist hohe Kunst des sozialkritischen Kinos.
Das Publikum in sich immer wieder verändernde Gewissheiten zu verführen, um es schliesslich mit einer Wendung zu konfrontieren, die die eben gefasste Meinung untergräbt, das erfordert schon so etwas wie ‚aktive Teilnahme’ an den Geschehnissen auf der Leinwand. Bezieht man dann das Geschehene noch auf die heutige Realität, bekommt „L’autre moitié“ noch einmal eine weitere, ernstliche Ebene hinzugestellt. Thierry Frochaux, P.S.
Die beiden fremden Brüder
Die Filme von Rolando Colla suchen in bewegenden Geschichten die Auseinandersetzung mit Konflikten unserer Zeit: Migration und Heimatverlust, kultureller Clash. Unser Land steht da mittendrin.
Hamid und Louis sind aufgewachsen im Neuenburger Jura und haben sich als Knaben aus den Augen verloren. Louis blieb bei der Schweizer Mutter, Hamid ging mit seinem Vater nach Algerien zurück und lebt inzwischen in Brüssel.
Einer, der sich als sein Bruder ausgibt, ruft Hamid nach dem Tod der Mutter zurück in die Schweiz. Ist es überhaupt der Bruder? Ist die Mutter da schon verstorben? Hamid und Louis begegnen sich erstmals, und von da an erzählt der Film in immer enger geführten Schlaufen, ob sich familiäre Bande beglaubigen lassen, ob Loyalitäten zum Zuge kommen, die nicht auf versteckten Motiven beruhen.
Nähe, Brüderlichkeit sind zunächst jedenfalls nichts als eine Behauptung, und Louis - so deckt der Film mit der Zeit auf - ist nicht, was er scheint.
Seine Nähe zu Hamid wirkt recht aufdringlich. Aber was ist allenfalls Täuschung, was sind kulturelle Codes? Ein Klima von Misstrauen und latenter Bedrohung grundiert die Geschichte.
Immer klarer erhalten wir Einblick, wie sich in Hamid die Krisen überlagern, wie unbehaust er ist in seiner Ehe und in der Organisation der Islamisten, wie entwurzelt zwischen der Schweiz, Algerien und Belgien. In jeder Beziehung ist er ein Entwurzelter, und in Abel Jafri hat der Regisseur einen Hauptdarsteller gefunden, in dessen Gesicht sich grosse Sensibilität und noch grössere Undurchdringlichkeit paaren. Um wie viel anders wirkt dagegen Kader Boukhanef als Louis. Er hat eines dieser offenen Gesichter, in denen die Seele auf dem Tablett zu liegen scheint und in denen sich dennoch nichts verrät.
Zwischen den beiden Darstellern laufen die Spannungsbögen übers Kreuz, und je untergründiger, desto stärker sind sie spürbar. Wie Hamid und ausgerechnet Louis' Freundin Isa Zuneigung zueinander fassen, als das Leben sie im Haus der toten Mutter zusammenführt, wie ihre Blicke sich begegnen und noch nichts und doch schon alles sagen, ist von einer schönen, schwebenden Intimität.
"L'autre moitié" changiert uneinheitlich zwischen unterschiedlichen Tonalitäten. Trotzdem: Einer der Männer ringt am Ende um sein Leben, und da sind Hamid und Louis sich schon so sehr Brüder im umfassenden Sinne geworden und uns gefühlsmässig ans Herz gewachsen, dass es unserer Anteilnahem an ihrem Schicksal nicht mehr viel anhaben kann.
Martin Walder, NZZ AM SONNTAG
_________________________

Stellungnahme des Regisseurs
Der Film erzählt die Geschichte von zwei Brüdern, die getrennt aufgewachsen sind und sich als Erwachsene treffen. Die unterschiedliche Kultur, in der jeder aufgewachsen ist, schafft vom ersten Moment an einen Graben. Vieles spricht dafür, dass die Trennung von damals nicht überwunden werden kann, und doch kommen sie schliesslich zusammen, weil im Grunde jeder den andern braucht.
Wenn ich den Film auf ein einziges Wort reduzieren müsste, dann würde
ich sagen, es geht um einen Annäherungskampf. (Die Annäherung als Kampf zu zeigen, darum geht es mir hier.)
Was macht es aus, dass zwei Menschen sich als Brüder empfinden ?
Was macht den Bruder aus ? Dass er mich versteht ? Dass er kein Urteil über mich fällt ? Dass er mich akzeptiert, wie ich bin ? Dass er auf meiner Seite ist ? Diesen Fragen geht der Film nach.
Die Geschichte ist verpackt in ein Genre, von dem ich mir Spannung, aber auch eine Verschärfung und Vertiefung der Konflikte verspreche : es ist das Genre des psychologischen Thrillers.
Um das Misstrauen und die Rivalität zum Ausdruck zu bringen, habe ich beim Umsetzen darauf geachtet, dass man den Figuren nicht einfach zuschaut, sondern sie verfolgt, sie umkreist, sich ihnen langsam nähert, auch von hinten und von der Seite.
Die Brudergeschichte lässt Analogien vom individuellen Mikro- zum Makrokosmus zu, das Private bezieht sich auch auf das Globale, aber ich wollte die Geschichte nicht um einer These willen erzählen, sondern aus sich selbst heraus, mit lebendigen Figuren, denen der Film auf den Leib rückt. Ich begreife Hamid und Louis als Produkt ihrer Zeit, über dessen Horizont sie nicht hinauskommen. Erst ganz am Ende – fast utopisch – überwinden sie ihre Differenzen und raufen sich zusammen, finden sich…
Rolando Colla
_________________________


|